Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Liebe, vielleicht das schönste, werden seine in deutscher Sprache herausgegebenen großen Sammelwerke bleiben, der „Born Judas" und die „Sagen der Juden". Der „Born Judas" ist einst, von 1916 bis 1924, in 6 Bänden im Inselverlage erschienen, (Von Liebe und Treue, Vom rechten Weg, Mären und Lehren, Weisheit und Torheit, Volkserzählungen, Kabbalistische Geschichten.) Er enthält die jüdischen Volksmärchen. Man hat ihn mit Recht mit Tausendundeiner Nacht und mit den großen Märchensammlungen anderer Völker verglichen, denen er an Buntheit der Phantasie gewiß gleichkommt, wenngleich die Märchen zu einem großen Teile nicht Märchen naiver Prägung, sondern ethischer Tendenz sind. Die „Sagen der Juden" kamen von 1913 bis 1927 bei Rütten & Loening in fünf Bänden heraus. (Von der Urzeit, Die Erzväter, Die 12 Stämme, Mose, Juda und Israel.) Die Sagen sind in erster Reihe dichterisch erweiternde Deutungen des biblischen Stoffes, während die Märchensammlung in reichem Maße, örtlich wie zeitlich, auch mit anderen Stoffen des jüdischen Lebens in Palästina wie in der Diaspora verknüpft ist. Einzelne Bände dieser großen Ausgabe beider Werke, die übrigens teilweise erst nach bin Gorions Tode herauskamen, brachten es seinerzeit bis zur dritten Auflage. — Der Schocken-Verlag hat beide Werke dankenswerterweise neu, in Dünndruckausgabe zu je einem Bande, herausgebracht. Verkürzt sind hierbei lediglich der umfangreiche wissenschaftliche Apparat, die Varianten der Motive, die zahlreichen, insbesondere indischen, arabischen, auch hellenistischen Parallelerzählungen. Der ganze ungeheure Stoff ist neu und, wie uns scheint, recht glücklich im wesentlichen nach der Zeitfolge der erzählten Ereignisse geordnet worden. Es sind so zwei wirkliche jüdische Haus- und Volksbücher ganz hohen Wertes geschaffen worden. Dieser Tage fragte uns ein Bekannter, der mit seiner Familie nach Amerika gegangen ist, welche zehn jüdischen Bücher in deutscher Sprache er mitnehmen solle. Es ist gewiß überheblich, jedenfalls aber mißlich, auf solchem Gebiete Zensuren mit Platzanweisung zu erteilen. Dennoch erschien uns ein Hinweis zulässig, daß unter diesen 10 Büchern auf alle Fälle die neue Ausgabe des „Born Judas" und der „Sagen der Juden" sein sollte. Conrad Kaiser. Elias Auerbach: Wüste und gelobtes Land, Band II Geschichte Israels vom Tode Salomos bis Esra und Nehemia (Schockenverlag, Berlin 1936). Das jüdische Schaffen Elias Auerbachs erweckt in uns immer ein Gefühl der Ehrfurcht. Wir fühlen uns erinnert an große Beispiele unserer Geschichte, Männer, von denen wir wissen, daß ihre schriftstellerische Tätigkeit im Bereiche des Judentums gar nicht ihr tagtägliches Arbeitsgebiet ausmachte. Ihre Tagesarbeit galt der ärztlichen Praxis. Ganz so ist es bei Elias Auerbach. Wer ihn nur aus seinen Werken kennt, kommt auf gar keinen anderen Gedanken, als daß hier ein Mann schreibt, dessen einziger Beruf die Wissenschaft des Judentums ist. Wer aber weiß, daß er seit Jahrzehnten eine umfangreiche ärztliche Praxis in Erez Israel ausübt, ist von der Fülle seines Wissens und der Souveränität, mit der er es gestaltet, überrascht. Was er vor fast allen Darstellern der ältesten israelitisch-jüdischen Geschichte voraus hat, ist die Tatsache, daß er seit beinahe drei Jahrzehnten im Lande lebt. Er sieht daher alle Fragen der alten Geschichte gegenständlich mit den Augen eines Menschen, der den Raum, in dem sich die geschichtlichen Ereignisse abgespielt haben, genau kennt. Dieser Vorzug macht sich vor allem bei der Deutung 51