Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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greife zu diesem Buche, es wird ihm, Die Ausstattung ist wie bei allen insbesondere wenn er das Täublersche Büchern dieser Verlagsanstalt gut. Nachwort beherzigt, sehr viel geben. Georg Wunderlich. 1. Der Bom Judas (Märchen und Geschichten. Gesammelt von Micha Josef bin Gorion. Neue Ausgabe, Schocken-Verlag, Berlin, 791 Seiten) 2. DlC Sagen der Juden (Mythen, Legenden, Auslegungen. Gesammelt von Micha Josef bin Gorion. Neue Ausgabe, Schocken-Verlag, Berlin, 787 Seiten) Es ist etwas Merkwürdiges um die Juden Deutschlands und Micha Josef B e r d y c z e w s k i: Auch der größte Amhoorez unter uns weiß wenigstens ungefähr, wer Achad Haam war und was er erstrebt hat. Die Persönlichkeit seines großen Widerpols, Micha Josef Berdyczewski, der doch so viele und entscheidende Jahre in Deutschland zugebracht hat, erst „in unseren Tagen", 1921, in Berlin gestorben ist und in der Ehrenreihe des Friedhofs Weißensee begraben liegt, ist dagegen dem Durchschnittszionisten hierzulande seltsam unbekannt. „Ein Aufklärungsdichter so um 1850", lautete neulich, in einem gar nicht so kleinen Kreise, die einzige Antwort, die zu erhalten war! Dabei ist in der gesamten jüdischen Renaissance kaum ein Lebenswerk vielgestaltiger, ein Lebenslauf fesselnder, eine Entwicklung interessanter als die des eigenwilligen Nietzscheaners aus Miedzyborz in Podolien. Es ist derselbe Mann, der die Herrschaft des Geistigen im Judentum leidenschaftlich bekämpft hat, — der Judentum mit allgemeinem Menschentum gleichgesetzt wissen wollte. — Der es bitter beklagte, daß das Juden tum dereinst die Juden h e i t verschlungen habe. — Der nicht Moses, sondern Josua als den Stifter der israelitischen Religion ansieht. — Der— wohl als einziger Jude — rückschauend ernstlich die Meinung vertritt, gerade vom König Herodes sei eine innere und äußere Erneuerung des Judentums zu erwarten gewesen, wenn sich ihm nicht die rabbinischen Dogmatiker in den Weg gestellt hätten — Der dem Rabbi Jochanan ben Sakkai den Verweis erteilt, er hätte, statt die Schule von Jawne zu gründen, lieber die militärische Verteidigung Jerusalems mitorganisieren sollen. — Der sich nach dem Weltkriege in Deutschland naturalisieren ließ unter dem das Jüdische betonenden Namen bin Gorion. (Josef ben Gorion war ein Patriotenführer im jüdischen Kriege. Vergl. Josephus, Jüdischer Krieg II, 20,3. — „Buch Josefs des Sohnes Gorions" wurde auch das berühmte mittelalterliche J o s i p - p o n - Buch bezeichnet.) \— Der Mann, von dem Moritz Heimann im Januar 1922 in der „Neuen Rundschau gesagt hat — und Rahel und Emanuel bin Gorion haben diesen Nachrufaufsatz in die Ende 1931 zum 10. Todestage des Gatten und Vaters erschienene Gedächtnisschrift mit aufgenommen —: „Dieser Fremdling, hebräischer Schriftsteller und Durchdenker des Judentums, lebte in Deutschland, sowohl dem politischen als dem geistigen Gebilde, mit einer wunderbaren, von der Erfahrung unabhängigen Zugehörigkeit. Er war ein leidenschaftlicher deutscher Patriot, haßte alle liberalistische Sänftigung und dachte als Politiker kühn in Staaten und Mächten." Dieser selbe Mann hat in Wirklichkeit immer nur die weltfremde Überspitzung des Geistigen im Judentum bekämpfen wollen, das vererbte jüdische Geistesgut dagegen mit unvergleichlicher Liebe und unendlichem genialem Fleiß noch bis zu seinem Tode gesammelt und gestaltet, und ein sichtbares Denkmal dieser tätigen 50