Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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römischer Geschichte diesen Sonderabdruck herausgebracht hat. Denn mit Recht nennt Täubler in seinem Nachwort dieses Kapitel das bestgeformte Stück jüdischer Geschichte, fügt dann aber sofort hinzu: soweit man bei ihm im eigentlichen Sinn von jüdischer Geschichte sprechen kann. Trotz Max Weber muß es dabei verbleiben, daß jeder Historiker Werturteile abgibt. Um ein bekanntes Goethe-Wort entsprechend anzuwenden, sieht er die Abläufe der Ereignisse durch sein Temperament, das durch die Umwelt und die herrschenden Verhältnisse bedingt ist. Wir haben mehr oder minder gute Geschichtsdarstellungen der jüdischen Geschichte für die Zeit, in der Rom die Weltmacht war. Noch immer ist wenigstens für diese Zeit die große Ausgabe des Grätz für uns das grundlegende Buch. Auch Dubnow muß unbedingt genannt werden. Und unter dem Gesichtspunkt der Auseinandersetzungen des Judentums mit dem Hellenismus und mit den geistigen Kräften Roms verdanken wir Büchern wie Brods Judentum usw. und Kasteins jüdischer Geschichte wertvolle Einblicke, mit wie großer Vorsicht wir auch namentlich das letztgenannte Buch benutzen müssen. Deshalb ist es geradezu dankenswert, daß wir nunmehr dieses Kapitel aus Mommsen jederzeit bei der Hand haben können, um nachprüfen zu können, wie einer der bedeutendsten nichtjüdischen Historiker dieses Kapitel jüdischer Geschichte darstellt, und zwar, wie er selbst gelegentlich hier sagt: mit der Aufgabe des Geschichtsschreibers von Rom. Ob wirklich jemals die Zeit kommen wird, in der eine Geschichtsdarstellung möglich sein wird, die die Bezeichnung objektiv verdient, wissen wir nicht. Aber um so mehr tut es not, zum mindesten dann einen anderen Standpunkt als den jüdischen kennen zu lernen, wenn diese Betrachtungsweise bereits einer Zeit angehört, deren Auffassung im großen ganzen heute wesentlich als abgeschlossen zu gelten hat. Und Mommsens Standpunkt ist, um Täublers Worte zu gebrauchen, keineswegs objektiv, sondern das Kapitel ist ,,mit fühlbarer Teilnahme allerdings mehr der abweisenden als der mitempfindenden geschrieben, es ist in einem der Römer und der liberale Humanist, der die Feder führt". Für Mommsen war das Judentum „innerhalb der universalen Einheit der griechisch-römischen Welt und der christlich-europäischen Kultur als ein zur Auflösung bestimmtes Element älterer Sonderart zurückgeblieben, als ein survival, das geduldet, aber als Ganzes im Konzert der europäischen Kultur nicht als ein mitspielendes Instrument anerkannt werden könne", wie Täubler mit Recht Mommsens Auffassung kennzeichnet. Er weist weiter daraufhin, daß Mommsen auch in seiner Schrift gegen Treitschke: „Auch ein Wort über das Judentum" den gleichen Standpunkt vertreten hat. Man lese selbst nach, was Täubler als wichtigsten Einwand gegen Mommsen bringt. Er betont stark die Bedeutung der Nationalität im Judentum, aber zugleich auch deren engste Verknüpfung mit dem Religiösen, daß demgemäß das jüdische Volk und seine Geschichte nur nach ihm eigenen Gesetzen beurteilt werden könne. Mit diesem Vorbehalt gibt es wirklich zur Zeit für die hier in Frage stehende Epoche keine die Tatsachen besser zusammenfassende und — wenn auch von dem gegebenen Standpunkt aus einseitig — beleuchtende Darstellung, als Mommsens; sie ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu Dubnow und Grätz, und sie gibt einen trefflichen Ariadnefaden durch die tatsächlichen Vorgänge annähernd eines halben Jahrtausends. Wer einen Führer durch diese Zeit braucht, wer sich weiter klar machen will, wie ein liberaler Humanist des 19. Jahrhunderts — und die große Mehrheit der in Deutschland wohnenden Juden der vorigen Generation das Judentum auffaßt, der 49