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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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Poetischen durch die Schönheit der Sprache. Es ist ein eigenartiges Gefühl, den vertrauten hebräischen Worten und Wendungen im fremden Bezirk zu begegnen. Der Bogen, den die Übersetzung von dem trotz der späten Entstehungszeit wohl noch klassisch zu nennenden griechischen Original zu einem gleichfalls klassischen Hebräisch schlägt, die „Verpflanzung von Jafets Schönheit in Sems Zelte" ist von ungemeinem, wenn auch nur dem Bibelkenner voll gegönntem Reiz. Das Schir haschirim klingt an, wo Lust und Leid der Liebe besungen wird, die Schilderung der Gefahren des Meeres beschwört die Erinnerung an Sturmszenen in den Psalmen, bei Jona herauf, manche Diktion der Profeten begegnet: ein geschmackvoller, wenn auch sparsamer Gebrauch des Musiv- (Mosaik-)stils, den die synagogale Poesie des Mittelalters und die Haskala so gepflegt hat. Muntner leistet nicht nur reine Übertragungsarbeit, verschönt durch die gebundene Form und die Feinheit seines hebräischen Stils, sondern vollohne weiteres das Versmaß. —• Der Unterschied mag noch wie folgt klar gemacht werden: Der Hexameter schließt immer mit dem aus einer langen und einer kurzen Silbe bestehenden, auf der ersten dieser beiden Silben betonten Trochaeus; die letzte Silbe eines Hexameters ist also niemals betont. In Beachtung dieses Gesetzes verwendet Muntner entsprechend der korrekten hebräischen Betonung am Versschluß Wörter, deren Ton auf der vorletzten Silbe liegt (mil - e l): Segolatformen (c h e s s e d), Pausälbetonungen mit zurückgezogenem Ton (chaschäwu), Wörter mit Patach furtivum (gawöah), entsprechend betonte Suffixe (schadeha, elaj i c h), Lokativ formen oder griechische Fremdwörter. — Tschernichowski behandelt die ganze Frage in der Einleitung zu seiner Ilias-Übersetzung (1929), S.3Sff. zieht auch, wo es sich gibt, einen Transfer der griechischen in die Valuta der altjüdischen Gedankenwelt: so werden aus Eos, der Morgenröte (Aurora), Ajelet haschachar; aus dem wolkenthronenden Zeus der J o s c h e w schec hak im, so aus dem Brautlied (Hymenaios), das der griechische Vater bei der Hochzeit anzustimmen pflegte, die traditionellen Berachot. Versmaß und Patinierungslust lassen Muntner häufig archaistische Formen wählen, was den Genuß der Lektüre erhöht. Außer den 343 Versen des griechischen Originals und der hebräischen Nachdichtung bietet Muntner für den Gelehrten auch eine Fülle textkritischer Anmerkungen, literaturgeschichtlicher Vergleichungen und mythologischer Erklärungen. Für technische Details sind diese Zeilen nicht geeignet; andernfalls märe mancherlei zu fragen. Wir müssen uns erst an die abweichende Behandlung der Aussprache des Schwa na und der Chatefvokale gewöhnen; aber auch wenn man darüber hinweg ist (wörtlich: denn diese Halbsilben zählen bald voll, bald überhaupt nicht, und man weiß oft nicht, wo man sie lassen soll) scheint eine Reihe von Versen holprig (z.B. V. 193, 238, 319). In dem schönen Fluß reiner Hebraizität stört plötzlich etwa das rein aramäische l et „es gibt nicht" (V. 191). Warum V. 202 polymechanon v„erfindungsreich, listig, klug" mit mefursam „berühmt" übersetzt wird, ist nicht ersichtlich. In der Einleitung enthalten die deutschen Zitate leider eine ganze Reihe von Druckfehlern. Besondere Anerkennung verdienen die sorgsame und vornehme Aufmachung und Ausstattung, die beweisen, daß in Palästina nunmehr auch höhere bibliophile Ansprüche befriedigt werden können. Altes in allem eine Leistung von bleibendem Wert. Bruno K i r s c h n e r. Theodor Mommsen: Judaea und die Juden Mit einem Nachwort von Eugen Täubler. (Schocken-Verlag, Berlin 1936,) Es ist gut, daß der Schocken-Verlag aus dem 5. Band von Mommsens 48

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