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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 46

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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Abe Jones ist. Daß in diesem universellen Buch auch dem jüdischen Volk einige Seiten gehören, mutet uns selbstverständlich an. Interessant, wie der völlig illusionslose und doch gütige Thomas Wolfe das Judentum sieht: Zunächst wirkt alles etwas enttäuschend: denn bei der Beschreibung der Juden, vor allem der Jüdinnen, in Eugens Kolleg übertreibt er seine expressionistische Manier und zeichnet keine Menschen, sondern Karikaturen. Auch der Freund Eugens, Abe Jones, scheint zunächst als blutlose Marionette, unsympathisch in seinem potenzierten Intellektualismus, in seiner ewig-kritischen, zersetzenden Unzufriedenheit. Aber ebenso, wie Eugen Gant allmählich, über einen Abgrund von Haß hinweg, in Abe Jones den Freund, den Bruder, den „namenlosen Menschen dieser Erde und eine wunderbare, gute, seltene und hohe Person" findet, ebenso merken wir, daß der Autor für ihn und für seine Familie eine besondere Liebe spürt. Diese Familie, eine arme Judenfamilie aus dem New-Yorker East Side-District ist sicher gut und typisch herausgegriffen. Die Eltern eingewandert und arm. Der Vater liederlich. Die Mutter eine alte orthodoxe Jüdin. (Wie gut ist übrigens die charakteristische Formulierung: „Ihr Wesen hatte die Alterslosigkeit der Erde und die Zeitlosigkeit ihrer Rasse!") Diese Familie hat sieben Kinder; fünf Brüder und zwei Schwestern. Etwas später hören wir, wie Abe Jones, der Begabteste seiner Geschwister, immer mehr in Assimilation versinkt. Und diese Flucht in das Fremde rundet uns das Familienbild ab. Wir begreifen dann, wie gut es gezeichnet ist, mit den Vorzügen und Fehlern zweimal verstoßener, in doppelter Galut lebender Menschen. Der Dichter Thomas Wolfe verschwendet nicht viel Kraft und Raum auf dieses jüdische Element in seinem Buch, doch immerhin läßt er es ein Element sein. Doch scheint uns klar, daß mit der Familie Jones das amerikanische Judentum nicht erschöpfend und allgemeingültig charakterisiert wird. Leider gewinnt man diesen Eindruck aus dem Buch, in dem für Amerika sonst nur Allgemeingültiges ausgesagt wird. Das jüdische Bild, das Thomas Wolfe entwirft, gibt uns aber einen wesentlichen Ausschnitt aus dem amerikanisch-jüdischen Sektor. Dieses Bild ist vertraut und traurig; aber das Wichtigste: es spricht uns an. Buchbesprechungen Hebräische Hexameter Der Erneuerungsprozeß, in dem die hebräische Sprache in Palästina aufblüht, erzeugt, mit dem Gewinn aus der nationalen Konzentration und Vertiefung, für die hebräische Literatur der Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Technik usw. auch eine gewisse Gefahr der Verengung. Von den 400 000 Juden in Palästina können vorerst nur wenige Zehntausende ein gehobenes Hebräisch lesen und werten; und wieviele in der Galut? (Weltweite Wirkung erhielt die Bibel, ohne sich für uns dadurch zu verlieren, erst durch die Septuaginta und die anderen Übersetzungen.) Andererseits kann das Hebräische, soviel Aufbaustoffe es auch dem täglichen Leben und den Schriftdenkmälern der eigenen Vergangenheit noch entnehmen kann, aus freundnachbarlicher Berührung mit anderen Sprachkulturen nur bereichert werden; auch dies jüdischer Humanismus. — 46

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