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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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wird beinahe „zerfragt", und doch leuchtet als ewige Lampe die Lebensfreude der Jugend. Und das zweite „Amerika": auf keinem anderen Boden der Welt hätte dieses Buch wachsen können. Es ist nicht denkbar ohne die Vielheit und die Vielfältigkeit seiner Landschaft, ohne die lärmende, betäubende, entindividualisierende Atmosphäre seiner Millionenstädte. Symbolisch durchziehen dieses Buch die silbernen Schienenstränge, die wie Nerven den Riesenleib Amerikas umspannen. Immer wieder peitscht ein vorübergehender Eisenbahnzug in die Szenerie, und die Dämonenwut der schnaubenden Lokomotive wird zum Inbegriff dieses Buches vom Wandern, dieser modernen Odyssee. Diese beiden Bände sind eine Fortsetzung des ersten Thomas Wolfe- Romans, den wir kennengelernt haben, und der den Titel trug: „Schau heimwärts, Engel." Wenn man „Von Zeit und Strom" aus der Hand legt, fragt man sich, wie es kommt, daß hier die überwältigende Fülle des Inhalts das Format nicht ins Übermäßige gesprengt hat. Dieses Werk umspannt unendliche Horizonte und berührt dabei jede Krume des Erdbodens. Es entwirft ungeheure Proportionen, ein Monument physischer und metaphysischer Menschlichkeit — und vergißt dabei nicht die kleinste Sorgenfalte auf der Stirne einer alten jüdischen Frau. Bei ganz kleinen Ausschnitten eröffnen sich plötzlich — wie durch einen magischen Scheinwerfer — weite Perspektiven in transzendente Höhen strahlender Übermenschlichkeit. Hier wird das Allergrößte in seiner Bezogenheit auf das Allzumenschliche der Erde nahegebracht, III. Es ist schwer, ja kaum möglich, den Inhalt dieses Buches zu charakterisieren, denn es fehlt eine einheitliche dramatische Fabel. Dieses Buch ist selbst wie der ungeheure heimsuchende Strom des Mississippi, den es besingt. In großen Wellen zieht eine Fülle von Menschen und Menschenleben an uns vorbei, und mitten darin steht die Gestalt des jungen Eugen Gant, der im Grunde genommen so wenig der Held des Buches, wie etwa Hans Castorp Held des „Zauberbergs" ist. Wie Csstorp bei Thomas Mann ist „Gant" bei Wolfe der Stein, an den die Wellen dieser vielen Schicksale heranprallen. Er erlebt sie, aber er leitet sie nicht. Sein eigenes Leben hat im Grunde nichts Außergewöhnliches. Er ist ein begabter und belasteter Sohn einer kleinstädtischen, im Westen Amerikas verwurzelten, degenerierten Handwerkerfamilie. Und er versucht, aus dem ihm bedrängenden Milieu herauszukommen. Er hat hochfliegende Pläne. Er will Schriftsteller oder Dichter werden und wählt dabei den Weg über die Havard-Universität. Sein Leben in der City, sein Leben mit Francis Starwick und den anderen Kollegen, sein Leben in Amerika und in Europa sind der rote Faden in dem bunten Netzwerk des Buches. Es ist viel Hunger und Durst und Sehnsucht in diesen Bänden. Hunger nach Besitz, Hunger nach Geltung, nach Produktivität, nach Liebe und Erleben, nach Schönheit und Wahrheit. Eugen Gant ist ein wütender Hungerleider. Aber einer der reinsten, getrieben beinahe von faustischem Drang nach letztem Wissen und Erleben. Darum verschlingt er Hunderte und Tausende von Büchern. Darum jagt es ihn vom Land in die Stadt und treibt ihn zu unzähligen Nachtfahrten und Wanderungen. Darum sehnt er sich fort aus seiner entzauberten Zauberstadt, zurück nach seinem Vaterboden und seiner Muttererde. Er führt ein hartes Leben in der Stadt; ständig gepeinigt von der ihn umgebenden Häßlichkeit und Grausamkeit, ständig auf der Suche nach dem Menschen, der nicht enttäuscht. . . IV. Nach all dem Gesagten wird es niemanden wundernehmen, daß der beste und treueste Freund Gants im wilden Auf und Ab seines Lebens — der Jude 45

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