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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 44

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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daran erinnern müssen, daß Atatürk zu modern denkt, als daß man annehmen müßte, er würde dem werdenden Palästina Schwierigkeiten bereiten. Alles das sind heute Gedanken, nicht mehr. Sie sollen nur zeigen, daß unsere Kreise mehr und mehr verstehen müssen, daß in Asien eine ganz neue Welt entsteht, und daß ein auf asiatischem Gebiet neu siedelndes Volk an den treibenden Kräften der Entwicklung nicht achtlos vorübergehen darf, daß es sie ernsthaft und gründlich zu studieren hat und daß auch die Stunde kommen wird, wo auf Grund gewonnener Erkenntnisse politische Konsequenzen gezogen werden. Die Problematik eines Lebens (Einige Bemerkungen zum zweibändigen Werk „Von Zeit und Strom" von Thomas Wolfe, Verlag Rohwohlt, 1936.) Von Bbr. Max Nußbaum, L Ein Wort zuerst über Sprache und Stil, obwohl dies bei Übersetzungen gefährlich ist. Aber Schiebelhuth ist ein zuverlässiger Übersetzer, und wir können annehmen, daß das Charakteristische des englischen Stils auch in der deutschen Übersetzung gewahrt ist. Die Sprache dieses Buches ist nicht eine glatte Romansprache, wie wir sie gewöhnt sind, sondern ausgesprochen pathetisch, ja zuweilen eine rein lyrische» In diesem großen Werk des auch uns bekannten amerikanischen Schriftstellers wird eine Mondlandschaft, eine Eisenbahnfahrt, das Sterben eines Mannes, mit einem ungeheuren Wortaufwand geschildert, und Wolfe schrickt vor keiner Alliteration, vor keiner onomatopoetischen Wortschöpfung zurück* Dieser sehr sensitive Autor scheint nur dann von seiner Darstellung befriedigt zu sein, wenn er für seine sehr intensiv gefühlten Eindrücke die adäquatesten Ausdrücke findet. Dadurch häufen sich an einigen Stellen des Buches gewisse Schwülstigkeiten, und wir würden uns gerade dort etwas mehr Schlichtheit wünschen. Trotz all dem liegt vor uns ein Buch, abgefaßt in einer selten temperamentvollen Sprache, ausgezeichnet durch einen stark suggestiven Schwung, der uns durch den — manchmal auch für den Leser — sehr gefahrvollen Wellengang des Stromes machtvoll hindurchreißt. II. „Of time and the river" „A Legend of Man's Hunger in His Youth." Ein beinahe biblisch anmutender Titel, und das ist auch dieses Buch. Eine Bibel Amerikas. Allerdings sind diese beiden Teile meiner Definition intensiv zu verstehen. Ich sage „Bibel", denn wie in dieser fehlt nichts Menschliches in diesem Buch. Es wird alles genannt, nichts verschwiegen, nichts beschönigt. Ob gut oder böse, ob schön oder häßlich. Zu dieser Melodie steht allerdings als harmonische Begleitung die ethische Wertung all der Geschehnisse, die sich im Rahmen des Werkes abspielen. Und die ethische Wertung mündet — auch dies ist echt biblisch — letzten Endes in eine große Bejahung des Lebens aus. In dieser amerikanischen Bibel wird das Leben nicht einfach hingenommen. Es wird befragt; ja, es 44

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