Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 2× ep/1047930
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darstellten als in der Türkei, Persien oder Irak, die in ungleich höherem Maße von der Welt des Westens je und je beeinflußt worden sind. Angezeigt sei in diesem Zusammenhang eine neue Darstellung über den Suez-Kanal (Johannes von Kunowski: „Der Suezkanal", Schönfeld-Verlag Berlin, 1936, 138 S.), die ähnlich wie das kürzlich hier besprochene Buch von Herrmann über das gleiche Thema die Geschichte des Kanalbaus bis in die ältesten Pharaonenzeiten zurückverfolgt, die unendlichen Bemühungen und Schwierigkeiten darstellt, die sich Lesseps entgegenstellten und -abschließend die Bedeutung des Kanals in weltwirtschaftlicher und strategischer Hinsicht untersucht, dabei bis in die jüngste Zeit des anglo-ägyptischen Abkommens vorstoßend. Die vorläufig noch durchaus im Stadium des Projektes steckenden und heute gewiß noch nicht aktuellen Pläne zur Schaffung eines neuen vom ägyptischen Einfluß völlig getrennten Kanals, der, von Akaba bis Gaza führend, ganz innerhalb des englischen Einflusses liegen würde und an dessen Plänen auch Fachleute der Universität Jerusalem mitgearbeitet haben, finden Erwähnung. In einem Gedanken verbindet sich dieses Buch mit der Darstellung von Essad Bey, nämlich in der Untersuchung nach der zukünftigen wirtschaftlichen Bedeutung der persischen Ölfelder. Ist Irak mit seinem Quellen, die direkt von Mossul bis Haifa geleitet werden und den teuren Transport durch den Suezkanal mit seinen außerordentlichen Abgaben vermeiden, so konkurrenzlos, wie es scheint? Oder ist es richtig, daß die Notwendigkeit, Haifa als große Flottenbasis ständig zu unterhalten so kostspielig ist, daß das persische Öl, das im Innern des Persischen Golfs eines strategischen Schutzes kaum bedarf, auf die Dauer doch unentbehrlich sein wird? (Wobei heute noch nicht daran gedacht werden soll, welche weltpolitische Veränderung eine preiswerte Herstellung synthetischen Betriebsstoffs zur Folge haben kann.) Jüdische Zukunftsgedanken dürfen bei Haifa viel mehr sich von der Tatsache leiten lassen, daß das Dreieck Alexandria- Zypern-Haifa vom Standpunkt englischer Reichspolitik und Indienpolitik eine Bedeutung besitzt, die erheblich über eine nur die Ölinteressen umfassende Betrachtung hinausgeht. Die Betrachtungen über Politik und Wirtschaft erhalten eine lebendige Ergänzung von den Erfahrungen und Beobachtungen her, die auch der Reisende, der politisch und wirtschaftlich nicht interessiert ist, tagtäglich in den Ländern und Städten unserer Betrachtung sammeln kann. Das flott und frisch geschriebene Buch von Josef S 1 e d z i n s k i: „Mit Motorrad und Kamera durch den Orient" (Verlag L. W. Seidel & Sohn-Wien, 1936, 120 S.), das ebenso wie die Arbeit über den Suezkanal mit ganz ausgezeichneten Bildern, die in ihrer Auswahl und Anschaulichkeit nicht genug gelobt werden können, illustriert ist, führt uns in schnellem Tempo durch die neue, modernisierte Türkei, durch die syrische Wüste nach der Märchenstadt Bagdad, durch Irak und Koweit nach Persien, dessen Umformungsprozeß der Autor mit klarem Blick beobachtet. Was uns besonders interessiert, ist die Darstellung der Reise durch Palästina, die Schilderung des modernen Haifa, des Lebens in Tel-Aviv, die Eindrücke in einer Reihe von Kolonien, welche Zeugnis für die auch von dem Autor durchaus anerkannte jüdische Aufbauarbeit legen. Wahrscheinlich steht unsere zionistische Politik in mancher Beziehung an einem Wendepunkt. Sicherlich ist auch manches von uns versäumt worden. Fühlt sich der König von Persien als Nachkomme der Achämeniden, so gibt es vielleicht neue Anknüpfungsmöglichkeiten: Auch Kyrus war ein Achämenide! Sollte das Arabertum auf die Dauer wirklich nicht verstehen, daß wir ohne feindliche Absicht kommen, so werden wir, obgleich wir nicht ablassen werden zu betonen, daß wir gegen Ismael brüderliche Gefühle hegen, uns 43