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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 42

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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türkischen Bevölkerungsaustauschs, der in finanzieller Hinsicht für die Fachleute der palätinensischen Kolonisation manche Anregung gab. Eine Frage, die im Kral'schen Buch behandelt wird und die bei Essad-Bey mit im Mittelpunkt steht, ist die nach dem Erstarken der panislamitischen Bewegung. Es will scheinen, als ob hier, durch die Abschaffung des Khalifats aus der früher festgefügten Mauer, die alle zum gemeinsamen Glauben an den Propheten sich bekennenden Stämme und Nationen zusammenschloß, ein wichtiger Eckstein herausgerissen wurde. Kral versteht deutlich zu machen, daß die junge Türkei den Wunsch hat, nie wieder in Kämpfe und Kriege verwickelt zu werden, die zwar die Menschen gleichen Bekenntnisses in irgend einem Teil der Welt angehen mögen, für die türkische Nation aber bedeutungslos sind. So konnte es auch kommen, daß z. B. im Sandschak Alexandrette ein deutlicher Gegensatz zwischen den national-türkischen Interessen und denen der arabischen Nationalisten Syriens sich auftun konnte, den keine panislamische Idee zu überbrücken in der Lage ist. Vielleicht liegen hier Entwicklungstendenzen, die sich erst andeuten. Die Konzession in der Sandschakfrage an Ankara bedeutet nicht nur eine Verschärfung der arabischen Stimmungen gegen die Westmächte, sondern nährt auch aufs neue den türkisch-arabischen Gegensatz. Denkbar, daß diese Dinge nicht ohne Rückwirkung auf die palästinensische Politik bleiben werden. Die, wenn auch zunächst gewiß bescheidene Annäherung der Politik Englands und Frankreichs an türkische Wünsche eröffnet auch Möglichkeiten für die Wahrnehmung jüdischer Interessen gegenüber der arabischpalästinensischen Welt. Reza Schahs außenpolitische Bemühungen liegen teilweise in anderer Linie. Von Teheran aus bemüht man sich, das persisch-türkisch-afghanische Bündnis zu einem Vertrage auszugestalten, der auch Irak und Saudi-Arabien mit Yemen umfaßt. Die Vorstellungen eines so gewaltigen Vorder- und Mittelasiatischen Blocks hängen mit der bewußten Wiederbelebung der persischen Großmachtvorstellungen zusammen. Nicht nur in der regierenden Schicht, sondern tief im Volk verwurzelt lebt das Bewußtsein von der einstigen Größe des Reiches, von der Bedeutung, die Persien unter den Achämenid e n, in der Zeit des Alexanderzuges und später unter der Dynastie der Sassaniden hatte. Essad Bey beschreibt, wie auch das Wissen von der vergangenen kulturellen Größe in dem einfachen Bauer der persischen Hochebene heute noch lebendig ist, der auswendig Hunderte von Versen aus den Werken H a f i s und F i r d u s i s hersagen kann, und den die Erinnerung stolz macht, Erbe einer Tradition zu sein, die bereits vor dem Eindringen des Islam die hochstehende Religion des Zar athustra hervorgebracht hat. — Wie weit bei diesen Verbindungs versuchen zwischen den Staaten Asiens nicht doch trotz des Zurückdrängens durch die europäische Politik und trotz des Gegensatzes zwischen Sunniten und Schiiten, panislamische Gedankengänge mitfördernd sind oder es im Laufe der Entwicklung werden können, — das alles ist in diesem Augenblick noch nicht ausgereift, zu sehr im Werden, als daß fertige Antworten gegeben werden können. Offen bleibt vor allem die Frage, ob die Kreise deren innere Haltung und äußere Machtstellung mit der Aufrechterhaltung der reinen orientalischen Kultur und Zivilisation verbunden bleibt — also vor allem Geistliche und Feudalherren —, noch einmal in der Lage sein werden, ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Denn die Lektüre des Essad Bey sehen Buches lehrt auch, daß nicht überall das Streben nach Europäisierung sich durchgesetzt hat. A m a n u 11 a h ist in Afghanistan mit den gleichen Bemühungen gescheitert. Warum? Weil die antimodernen, konservativen Kräfte in seinem Lande eine viel stärkere Kraft 42

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