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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 41

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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durch den Friedensvertrag um. die Meerengen, den Dodekanes und einen Teil der übrigen Küsteninseln einen haltbaren Ring der Beeinflussung schmiedete, so war es in Persien der rivalisierende Kampf Rußlands und Englands, der in der Schaffung von „Einflußzonen", im besonderen aber in dem Streben nach Beherrschung der Ölquellen seinen Ausdruck fand. Beide Staatsmänner waren von Hause aus Militärs, ihre erste Tat zur Befreiung ihrer Länder militärische Aktionen. Eine besondere Rolle spielte dabei in der Türkei die kurdische Frage, und es darf nicht verkannt werden, daß die Schaffung von Nationalstaaten sowohl in Persien wie in der Türkei und im Irak durch die Existenz einer so rührigen und leicht aufständischen Bevölkerung wie der kurdischen immer wieder beunruhigt worden ist. Anders freilich, als das Kral'sche Buch erkennen läßt, lag es bei den Armeniern, und die Schüsse Teilirians auf den Jungtürkenführer Talaat Pascha hier in Berlin haben der Welt die Tragödie des armenischen Volkes deutlich enthüllt. Die Hauptübereinstimmung zwischen den Regierungsmaßnahmen beider Führer ihrer Nationen war die Umstellung zunächst des äußeren Lebens und damit verbunden dann auch der inneren Haltung auf abendländische Grundsätze. Ihren sichtbarsten Ausdruck fand sie im Kampf gegen die Geistlichkeit und ihre Machtstellung. Kamäl begann mit der revolutionären Tat der Abschaffung des Khalifats, er beseitigte in der Folge die Einrichtungen der geistlichen Gerichte, der Priesterschulen, er ersetzte den mohamedanischen Ruhetag durch den Sonntag (eine Maßnahme, durch die auch die Sabbathheiligung der jüdischen Bevölkerung betroffen wurde), er ersetzte im allgemeinen Leben die arabische Schrift durch die lateinische, schaffte die arabische Koranvorlesung sogar in den Moscheen ab und setzte an ihre Stelle die türkische Übersetzung des heiligen Buches. — Reza nahm ihn zum Vorbild, und wenn heute allenthalben in Persien neue Chausseen und Eisenbahnen gebaut, Schulen und Krankenhäuser errichtet werden, so ist das nahe türkische Beispiel unverkennbar. In einem freilich ist die Entwicklung anders verlaufen. Für Reza Schah gab nicht nur Atatürk, der Präsident einer Republik, das Beispiel; in mancher Beziehung fühlte er sich einem anderen orientalischen Staatsmann der Neuzeit verwandt, der, den Traditionen des Orients folgend, seine königliche Gewalt zur Geltung zu bringen verstanden hatte, Ibn Saud. Alle drei standen im Kampf gegen die widerstrebende islamische Geistlichkeit, die Ulemas; während es aber in der Türkei möglich war, die Staatsgewalt ohne Abstriche zu stabilisieren, haben Reza Schah und Ibn Saud Konzessionen machen müssen und schließlich nach langem Werben um die Zustimmung und Gunst der geistlichen Zentren — Kerbela und I s f a h a n im einen, von R i a d und Mekka im anderen Falle — einen vorläufigen Frieden geschlossen. Die Erringung der staatlichen Selbständigkeit in Iran ist nahezu vollständig geglückt; das asiatische Reich zu einem europäischen zu machen und damit jenem großen historischen Vorbild, das Reza Schah für sich aufgerichtet hat, nahezukommen, nämlich Peter dem Großen von Rußland, ist auch bereits weitgehend gelungen und gelingt von Jahr zu Jahr mehr. Viele einzelne Hinweise in dem ausgezeichneten Kral'schen Buche interessieren uns besonders, etwa die über die ottomanische Staatsschuld aus dem Kriege, an der auch Palästina als früherer Teil des türkischen Reiches erheblich mitzutragen hatte, die Bemerkungen über das Recht auch der jüdischen Minderheit, das sich in der Errichtung von Schulen, Entsendung von Parlamentsabgeordneten und dergl. dokumentiert, die Darstellung der Bemühungen um die Wiederaufforstung des Landes, die die türkische Regierung früherer Zeiten — noch heute leidet Palästina an den Folgen dieser Unterlassungssünden — so vernachlässigt hatte, schließlich die Behandlung des griechisch- 41

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