Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Mandatsgebiet zu einem sich selbst verwaltenden Lande. Eine stärkere Mitwirkung der Bevölkerung an der Gesetzgebung und Verwaltung, wie sie das viel und meist nicht eben sachlich erörterte Projekt des Gesetzgebenden Rates vorsieht, ist nicht nur notwendig, um die Araber zu beruhigen — die beruhigt man zunächst überhaupt nicht — sondern vor allem, um endlich auch einmal so etwäs wie jüdische Mitarbeit an der Gesetzgebung des Jewish National Home zu erreichen. Wenn es auch richtig war, daß die Exekutive der Jewish Agency den Vorschlag zu einem Gesetzgebenden Rat in der Wauchopeschen Fassung abgelehnt hat, weil er in dieser Form mit den durch das Mandat verbrieften jüdischen Rechten unvereinbar war, so hätte sie nicht darauf verzichten dürfen, ihrerseits einen juristisch gründlich formulierten und fundierten Gegenvorschlag zu machen. Dieser hätte außer Angaben über die personelle Zusammensetzung vor allem eine ganz exakte Abgrenzung der materiellen Zuständigkeit des Gesetzgebenden Rates enthalten müssen. Dabei muß klar sein, daß die Einwanderungs-, die Boden- und die Agrargesetzgebung vorerst der Zuständigkeit des Gesetzgebenden Rates entzogen bleiben, um jede Sabotage des Jüdischen Nationalheims nach Möglichkeit auszuschließen. Ein weiterer Beitrag, der von jüdischer Seite zum jüdisch-arabischen Ausgleich zu leisten wäre, besteht in der nachdrücklichen Geltendmachung einer Forderung: der Forderung nämlich, daß das gesamte jüdische Schulwerk vom Staat übernommen wird, der heute aus den jüdischen Steuergeldern ausschließlich arabische Schulen einrichtet und die jüdischen Schulen ganz unzulänglich subventioniert, und daß in allen öffentlichen Schulen Palästinas die arabische und die hebräische Sprache als Pflichtfächer unterrichtet werden. Denn das Unvermögen der Araber, sich mit den jüdischen Einwanderern zu verständigen und umgekehrt, ist eine der Hauptursachen dessen, daß sie einander nicht verstehen. Ich bin mir darüber klar, daß ich hier in den Andeutungen von Umrissen stecken geblieben bin. Das, was zu sagen wäre, könnte ein umfangreiches Buch füllen. Aber mir kam es nur darauf an zu zeigen, daß die Lösung des jüdisch-arabischen Problems in Palästina nicht darin gesucht werden darf und auch nicht darin gesucht zu werden braucht, daß man jeden Bevölkerungsteil möglichst hermetisch von dem anderen absperrt und ihn zwingt, nur seinen eigenen Kohl zu bauen und zu essen, sondern daß andere Lösungsmöglichkeiten denkbar und — was wichtiger ist — realisierbar sind. Wenn wir Juden wollen. Denn die Initiative zu allem, was in Palästina geschieht, liegt nur bei uns Juden. Verzichten wir darauf, sie geltend zu machen, verschenken wir die Chance, die uns unsere politische Einsicht und unser nationaler Wille geben können, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir eines Tages an unserem Defaitismus zugrunde gehen. Neue Orientbücher. II. Von Bbr. Hans Klee. In der neueren politischen Literatur findet sich gelegentlich eine Auffassung, nach der die Entwicklung der großen, die Kontinente verbindenden und trennenden Meere zu einem Herabsinken der Bedeutung des Mittelländischen Meeres geführt hat, dessen weltpolitischer Rang von der Atlantik überflügelt wurde, die aber nun ihrerseits von einer heraufdämmernden Bedeutung des pazifischen Ozeans überschattet wird. Uns will scheinen, 39