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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 37

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Gestaltung der Verhältnisse des Landes bemüht, ist dazu geeigneter als je ein. Augenblick seit dem Churchill-Weißbuch. Dabei müssen wir uns klar darüber sein, daß jede Anregung, die von jüdischer Seite kommt, gewissen sachlichen und propagandistischen Voraussetzungen genügen muß, wenn sie beachtet werden soll. Sachlich muß sie eine merkliche Entspannung der jüdisch-arabischen Beziehungen in Aussicht stellen. Propagandistisch muß sie mit dem notwendigen Nachdruck der öffentlichen Meinung des Vereinigten Königreichs als Beweis unseres goodwill zur Kenntnis gebracht werden. Sachlich können wir uns nicht mit der Verkündung des Grundsatzes der „politischen Parität' begnügen. So wertvoll dieser Begriff auch für die Klärung einiger grundlegender Rechtsfragen ist, so zweischneidig ist er. Wie er sich praktisch auswirkt, das hängt von der Rechtsprechung ab, nicht von der Gesetzgebung. Und die Rechtsprechung wiederum wird an entscheidender Stelle jetzt und auf absehbare Zeit von Engländern gehandhabt. Das bedeutet, daß der Rechtsbegriff der politischen Parität seinen Inhalt jeweils mit den Bedürfnissen der englischen Politik variieren wird, bald zu unserem Vorteil, bald zu unserem Nachteil. Wir müssen daher schon im eigenen Interesse über diesen formalen Grundsatz hinausgelangen. Das können wir nur in einem Bereiche, der sehr viel materieller und daher — ist er einmal gestaltet — schwerer veränderlich ist, im Bereiche der Wirtschaft. Im Mittelpunkte aller palästinensischen Wirtschaftsfragen, d^r jüdischen wie der arabischen, steht die Bodenfrage. Wenn es gelingt, sie einer vernünftigen Lösung zuzuführen, so wird damit für den jüdisch-arabischen Ausgleich, der notwendig und möglich ist, Entscheidendes geleistet. Zwei Drittel der arabischen Bevölkerung Palästinas lebt von der Landwirtschaft. Es ist daher begreiflich, daß eine der politischen Hauptforderungen der Araber das Verbot des Bodenverkaufs an die Juden ist. Denn es wird befürchtet, daß eines Tages nicht mehr genügend landwirtschaftlicher Boden für die arabische Bevölkerung zur Verfügung stehen könnte. Diese Behauptung, deren Unrichtigkeit jedem volkswirtschaftlich geschulten Menschen evident ist, ließe sich auch vor der großen Masse der Fellachen als falsch erweisen, wenn es gelänge ihre wirtschaftliche Lage fühlbar zu bessern, ohne die jüdische Siedlung dadurch auch nur im geringsten zu beeinträchtigen. Aber der Besserung der Lage der Fellachen stehen erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Sie liegen nicht in der vielzitierten Agrarkrise in der Welt, sondern in den besonderen Verhältnissen, unter denen die Fellachen in Palästina zu arbeiten gezwungen sind. Da ist zunächst die Überschuldung des größten Teils der Fellachen, durch die eine Verbesserung der Anbaumethoden überaus erschwert wird; denn der Übergang zur intensiven Landwirtschaft kostet Geld, das sie nicht haben. Da ist weiter die Tatsache, daß die typische Agrarverfassung des arabischen Palästina immer noch das „Muscha- System" ist, dessen Eigenart darin besteht, daß der Boden eines Dorfes Gemeineigentum der Dorfgemeinschaft ist, und daß jeder Familie alle zwei Jahre ein anderes Bodenlos zur Bearbeitung übergeben wird; infolgedessen hat keine Familie ein Interesse <an Investitionen und Verbesserungen. Und schließlich darf man nicht vergessen, daß etwa ein Drittel alles anbaufähigen arabischen Landes in den Händen einiger Großgrundbesitzerfamilien ist, die den Boden nicht selbst bebauen, sondern durch fellachische Pächter bearbeiten lassen, die an die Grundherren enorme Pachtzinsen abzuführen haben und gar nicht in der Lage sind, sich von sich aus moderneren Anbaumethoden zuzuwenden. 37

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