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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 36

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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was zur Ernährung der arabischen Bevölkerung erforderlich sei. Und jede dieser Fragen ist ein politischer Streitpunkt. Denn wenn sich die Juden oder die Araber Palästinas schon in einen Käfig einsperren lassen müssen, dann wird jeder von beiden Bevölkerungsteilen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darum kämpfen, daß dieser Käfig so geräumig wie möglich ist und so viel Zuwachsaussichten wie möglich für die Zukunft erwarten läßt. Mit anderen Worten: Es gibt kein wirksameres Mittel, um dauernde Zwietracht zwischen den beiden Bevölkerungsteilen Palästinas zu säen, als die Einrichtung der beiden Kantone, Auch die Abgrenzung der Hoheitsrechte zwischen dem Gesamtstaat einerseits und den Kantonen andererseits und die Verteilung der Verwaltungsaufgaben und Verwaltungslasten führt in ein Dickicht von schwer lösbaren Problemen. Jede praktische Lösung, die sich bemüht, den zur Zeit bestehenden tatsächlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen, wird auf dem Gebiete des Wahlrechts, des Steuerrechts, des Schulrechts, des Arbeitsrechts in beiden Kantonen völlig verschiedene Gesetze schaffen. Und so wird der Gegensatz zwischen den beiden Bevölkerungsteilen, den zu überbrücken die Aufgabe jeder das Mandat ernst nehmenden Palästinapolitik ist, durch die Kantonalisierung nur verewigt. Die Kantonalisierung ist keine große Hoffnung, sondern nur eine große Gefahr. Und wenn „Great Britain and the East" die Meinung vertritt, man müsse die Hoffnung auf eine Verständigung der beiden Völker Palästinas aufgeben, so beweist das gar nichts. Das Organ des Colonifd Office wird niemals eine andere Meinung vertreten als die, welche dort am bequemsten erscheint. Die Araber haben nichts dazu getan, um die Verständigung mit den Juden zu ermöglichen. Warum? Weil der Exponent des Colonial Office im Kriege, weil Lawrence of Arabia sie mit Versprechungen auf absolute Selbständigkeit gefüttert hat. Die Juden haben fast nichts dazu getan, um die Verständigung mit den Arabern zu ermöglichen. Warum? Weil sie nur an die grauenvolle Realität der Judennot, aber nicht an die ebenso reale Wirklichkeit Palästinas dachten. Die Palästina-Regierung aber hat zwar die Einsicht gehabt, daß eine jüdisch-arabische Verständigung in Palästina das notwendige Ziel jeder richtigen Palästina-Politik sein müsse. Sie hat aber mit einer geradezu verblüffenden Beharrlichkeit immer gerade das Falsche getan. Warum? Weil mit Ausnahme von Lord Plumer keiner der Oberkommissare eine außergewöhnliche Persönlichkeit war. Und weil diese außergewöhnliche Aufgabe eben außergewöhnliche Menschen verlangt. Mit der mehr oder weniger ordentlichen Routine, mit der die übergroße Mehrheit der britischen Beamten in Palästina ausgestattet ist, kann man vielleicht eine afrikanische oder amerikanische Kronkolonie zur Zufriedenheit der Bevölkerung und des Colonial Office verwalten, aber niemals die Aufgaben des Palästina-Mandates lösen. Es ist für niemanden, der die Entwicklung Palästinas seit 1920 objektiv betrachtet, auch nur der geringste Zweifel möglich, daß alle drei beteiligten Gruppen, nämlich Araber, Engländer und Juden, für die jetzige Lage verantwortlich sind. Am wenigsten zweifellos — das sage ich auf die Gefahr hin, für einen Verräter zu gelten — die Araber, am meisten aber die Engländer. Nicht die Politik des jüdisch-arabischen Ausgleichs ist gescheitert, sondern die englischen Methoden sind an der Aufgabe des Palästina-Mandates gescheitert. Daraus folgt, daß man die Bemühungen um den jüdisch-arabischen Ausgleich nicht aufgeben, wohl aber die Methoden der Palästina-Politik ändern muß. Dazu können auch wir Juden unseren Teil beitragen. Der gegenwärtige Augenblick, in dem die Königliche Kommission sich um die Um- 36

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