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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 35

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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veränderten Voraussetzungen durch diese Belastung nicht nur ausgeglichen, sondern überwogen werden könnte. An diesen Tatsachen, die Englands Politik seit der Balfour-Declaration bestimmt haben und auch in Zukunft bestimmen müssen, sollte die zionistische Politik nicht vorbeigehen» Wie aber kann sie diesen Tatsachen gerecht werden? Dafür gibt es kein Patentrezept. Sondern das hängt von den jeweiligen Umständen ab. Im gegenwärtigen Augenblick hat die englische Politik — nicht nur in Palästina, sondern im ganzen Empire — ganz offensichtlich nur ein Interesse: Ruhe, bis England auch äußerlich wieder ganz stark dasteht. Wer in der Lage ist, dieses Interesse beträchtlich zu gefährden, der hat gewisse Chancen, daß ihm das Empire etwas schenkt, um sich seines Wohlwollens zu versichern. Diese Einsicht stand hinter dem Araberaufstand, und sie dürfte das politische Tun gerade der gemäßigten arabischen Kreise innerhalb und außerhalb Palästinas bestimmen. Die Araber wissen, daß England ihnen in Palästina gewisse Konzessionen machen wird, weil es keinen neuen Aufstand gebrauchen kann, zumal nicht in den nächsten Jahren. Aus diesem Grunde sind sie heute intransigent und stellen Forderungen, mit deren Erfüllung sie selbst im Ernst wohl nicht rechnen, wie Einwanderungsverbot und Bodensperre für Juden. Sie sind in der günstigen Situation dessen, der es sich leisten kann, sehr viel zu verlangen, um viel zu bekommen. Wir Juden sind in umgekehrter Lage. Wir können die Ruhe des Empire an keinem Punkte der Welt gefährden, (Außer in Palästina. Aber dort würden wir zugleich das einzige Land gefährden, in welchem wir kraft Rechtes und nicht aus Duldung leben; das heißt: wir würden uns selbst vernichten.) Wenn wir überspannte Forderungen stellen oder wenn wir eine ausschließlich ablehnende Haltung gegenüber allen englischen Anregungen einnehmen, so wird die englische Politik, die von uns nichts als einige papierene Resolutionen zu befürchten hat, kühl lächelnd über uns hinweggehen. Denn englische Politik hat das Interesse des Empire zu wahren und nicht das Interesse der Juden. In dieser Lage tun wir gut daran, eine Politik zu treiben, die den Interessen des Empire — nicht nur den Tagesinteressen, sondern den Interessen auf weitere Sicht — so weit Rechnung trägt, als sich das mit den Interessen des jüdischen Volkes vereinbaren läßt. Kompromisse sind der Inhalt aller Politik. Es dürfen nur keine faulen Kompromisse sein. Ein solches aber wäre die Kantonalisierung Palästinas. Brandt hat ganz recht, wenn er die Grenzen des zu schaffenden arabischen Kantons so bestimmt: „Er wird das umfassen müssen, was die Ernährung der arabischen Bevölkerung erfordert". Aber was erfordert sie? Ist bei der Feststellung dieses Erfordernisses auszugehen von dem Lebensstandard des arabischen Landarbeiters in einer jüdischen Kolonie oder von dem eines Fellachen oder von dem eines städtischen Arbeiters oder von dem eines mittleren Beamten? Soll ein Lebenshaltungsindex ermittelt werden, der den heutigen Standard oder einen in Zukunft zu erwartenden höheren zugrunde legt? Soll für die Araber ein niedrigerer Lebenshaltungsindex angenommen werden als für die Juden? Bis zu welchem Ausmaß soll die Grenzziehung der beiden Kantone den natürlichen, bis zu welchem Ausmaß soll sie den Wanderungszuwachs des einen oder des anderen Bevölkerungsteiles berücksichtigen? Welche landwirtschaftlichen Produktionsmethoden sollen Ausgangspunkt für die Berechnung des möglichen Bodenertrages sein? Was soll mit den überwiegend arabischen Städten Jaffa und Haifa geschehen, die in dem geplanten jüdischen Kanton liegen würden, was mit dem überwiegend jüdischen Jerusalem, das in dem geplanten arabischen Kanton liegen würde? Das ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Fülle von Fragen, die der lapidare Satz umschließt, )der arabische Kanton müsse alles enthalten, 35

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