Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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erhaltung bestrebt ist, alle solche Beziehungen zu festigen, die ihm gesellschaftlichen Anschluß und gegenseitige berufliche Förderung gewährleisten. Leider war gerade im KJV das Gefühl für die Notwendigkeit gegenseitiger beruflicher Förderung von Anfang an wenig entwickelt. In früheren Zeiten war man sogar der Meinung, daß man die politische Gesinnungsgemeinschaft nicht zu einer beruflichen Interessengemeinschaft herabwürdigen dürfte. Mit der fortschreitenden Verengerung der Existenzbasis hat sich jedoch schon vor 1933 diese Anschauung gewandelt. Heute wird die gegenseitige berufliche Förderung in Palästina von der Mehrheit der Bundesbrüder als Notwendigkeit empfunden; doch hat sich eine allgemein verbindliche Verpflichtung hierzu leider noch nicht durchgesetzt. Es wäre wünschenswert, eine solche Verpflichtung grundsätzlich anzuerkennen und Verstöße dagegen, die zumeist ihre Ursache in Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit und Unkenntnis haben, jeweils festzustellen und in geeigneter Weise für die Durchführung des Prinzips zu sorgen. Es gibt kein wirksameres Mittel, abseitsstehende Bundesbrüder wieder zum KJV zurückzuführen, als wenn man ihnen zu Bewußtsein bringt, daß sie nur wegen ihrer Zugehörigkeit zum KJV berufliche Hilfe und Förderung seitens anderer Bundesbrüder erfahren. Wenn dies auch nicht der eigentliche Sinn des KJV in Palästina sein mag, so würde doch dadurch das gelockerte Gefüge des palästinensischen KJV wieder einen festeren Zusammenhang erhalten. Keine Kantonalisierung! Von Bbr. Hubert Pollack. Die Vorstellung, man könne die Araberfrage in Palästina durch eine Aufteilung des Landes in einen arabischen und einen jüdischen Kanton lösen, ist falsch. Sie findet keine Stütze in der palästinensischen Wirklichkeit, sondern ist einem — zur Zeit noch erfreulich kleinen — Kreise von Juden durch interessierte englische Politiker mit dem Erfolg eingeredet worden, daß ernsthafte Menschen diesen vollkommenen Unsinn einer so ernsthaften, wenn auch im Ergebnis fehlgehenden Erörterung unterziehen, wie das in dem Aufsatz von Bbr. Brandt geschieht. Dabei ist der gedankliche Ausgangspunkt jenes Aufsatzes wohl ganz richtig. Wir können es uns auf die Dauer nicht leisten, eine immer nur negierende Politik zu treiben, die praktisch darauf hinausläuft, Palästina als einziges noch übrig gebliebenes A-Mandat so lange zu erhalten, bis wir uns stark genug fühlen, selfgovernment unter zionistischer Flagge zu verwirklichen. Es ist nicht nur richtig, sondern bei der politischen Unbildung weitester zionistischer Kreise sogar notwendig, immer wieder auf die zahlreichen Versuche hinzuweisen, die das Colonial-Office seit 1920 unternommen hat, um einen Status in Palästina zu schaffen, durch den die Araber beruhigt werden. Und es ist auch notwendig, immer wieder festzustellen, daß diese Versuche von zionistischer Seite nicht nur ständig abgelehnt worden, sondern auch niemals durch ernsthafte und über den taktischen Tageserfolg hinausdenkende Vorschläge ersetzt worden sind. Das geht auf die Dauer nicht gut. Wer nüchtern denkt, der kann sich nicht darüber im Zweifel sein, daß die Verpflichtung zur Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina für das Britische Empire eine schwere Belastung seiner ganzen Near-East-Politik werden kann und daß der politische Nutzen, den ein jüdisches Palästina dem Empire unter gewissen weltpolitischen Voraussetzungen bringt, unter 34