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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Der häufigste Fall der wirtschaftlichen Selbständigkeit war, daß der ehemalige Jurist als der Geldmann sich mit einem angeblichen Fachmann assoziierte. Diese Unternehmungen sind aus den verschiedensten Gründen gescheitert; sei es daß die Fachkenntnisse des Fachmannes unzulänglich waren, sei es daß das vorhandene Kapital für die Bedürfnisse des Betriebes nicht ausreichte, insbesondere daß zuviel Anlagekapital investiert wurde und zu wenig Betriebskapital übrigblieb, sei es daß die Aufnahmefähigkeit des Marktes überschätzt wurde, sei es daß die Preise durch ausländisches Dumping bei ungenügendem Zollschutz unter die Selbstkosten gedrückt wurden, sei es daß unvorsichtige Kredite gewährt wurden. Hinzu kam, daß dem Juristen die kaufmännische Eignung vielfach fehlte, er überschätzte meist das Formale, die kaufmännische und technische Organisation, die Bedeutung der Buchführung, aber er versagte als Verkäufer und Acquisiteur. Viele solcher Sozietäten sind wieder auseinandergegangen, in den meisten Fällen sind erhebliche Teile des mitgebrachten Kapitals verloren gegangen. Wer sein Kapital nicht in dieser Weise riskieren wollte, oder überhaupt kein Kapital einzusetzen hatte, hat sein Glück als Grundstücks- und Hypothekenmakler oder Versicherungsagent versucht. Viele haben sich in den Kapitaltransfer eingeschaltet und üben als Transferberater für eine gewisse Übergangszeit eine anwaltsähnliche Tätigkeit aus. Sicher hat sich durch das Eindringen ehemaliger deutscher Juristen das intellektuelle und moralische Niveau des Maklerstandes außerordentlich gehoben. Über der bisherigen Schicht levantinischer Cafehausgeschäftemacher erhebt sich jetzt eine Schicht vertrauenswürdiger und sachkundiger Makler, die in einer auf Kapitalimport aufgebauten Wirtschaft die wichtige Funktion haben, Gelder besonders für Bauzwecke zu beschaffen und sie sicher und zweckmäßig anzulegen. Aber auch dieser Beruf ist übersetzt, die Verdienstmöglichkeiten stehen in keinem Verhältnis zu dem ungeheuren Aufwand an vergeblich geleisteter Arbeit, die ganze Existenz steht und fällt mit der Fortsetzung des Kapitalimports. Unkomplizierter, wenn auch im ganzen nicht (günstiger, ist die Lage der Ärzte. Hier ist die allgemeine Lage bekannt. Bis zu der Sperre Ende 1935 bestand freie Niederlassungsmöglichkeit für approbierte Ärzte aus Deutschland. Die Monate, die der Sperre unmittelbar vorausgingen, haben einen ungeheuren Zustrom gebracht und das schon vorher niedrige Einkommen weiter gedrückt. Von den neu niedergelassenen Ärzten dürfte der größte Teil weniger als 8.— LP verdienen, bei den älteren liegt das Durchschnittseinkommen zwischen 10.— bis 20.— LP monatlich. Einkommen über 25.— LP sind nur bei besonders erfolgreichen Spezialisten zu finden. Die Annahme des Präsidiums, daß der Prozentsatz der Ärzte unter den Bundesbrüdern in Palästina von 30 auf 10% heruntergegangen ist, so daß sich zwei Drittel umgeschichtet haben müssen, halte ich nicht für zutreffend. Ein kleiner Teil der Ärzte ist in die Landwirtschaft gegangen, andere haben sich der chemischen Industrie oder der Herstellung und dem Vertrieb medizinischer Bedarfsartikel zugewandt. Aber bei der Mehrzahl überwog die Tendenz, trotz geringer Verdienstaussichten in ihrem Berufe zu bleiben. Von den Architekten und Ingenieuren wird man annehmen können, daß der größte Teil in diesem Berufe geblieben ist, der ihnenin einem Lande des technischen Aufbaues Chancen bietet. Die Einkommensverhältnisse sind sehr ungleichmäßig. Wer sich als Architekt einen Namen gemacht hat und einen Bauauftrag nach dem anderen bekommt, kann zu den wenigen Großverdienern gehören, während derjenige, der sich nicht durchgesetzt hat, kaum sein Existenzminimum verdient. Die Einkommen der in technischen Büros im Angestelltenverhältnis Beschäftigten liegen zwischen 8.— und 15.— LP, leitende Posten werden bis zu 20.— LP bezahlt. 32

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