Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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darstellt, als ein Haufe von entlaufenen Fronknechten in der Wüste, in einem harten Leben voller Entbehrungen und über den harten Weg fortgesetzter Kämpfe zu Mannhaftigkeit und Einsatzbereitschaft für die Landnahme selbst und das Einwurzeln im verheißenen Lande erzogen wurde, über zwei Generationen hin. Es ist schon so: wo ein Volk aus seiner Zerrissenheit wieder zur Einheit strebt, ist dieser Kampf immer verbunden mit der Forderung der körperlichen Ertüchtigung, und mit dieser körperlichen Ertüchtigung Hand in Hand geht notwendig die Selbstbesinnung. Über die Redlichkeit der körperlichen Übung, über die Wahrhaftigkeit des eigenen Leibes, der im Sport keine Pose zuläßt, keine Selbstbeschönigung und keine Phrase, kommt der Mensch am leichtesten zur Erkenntnis seines eigenen Wesens. Und das war und ist für kaum einen Menschen so notwendig wie für den Juden in seiner Assimilation an Europa. Hier mußte denen, die bereit waren, vor sich selbst und in ihrem eigenen Volk fahnenflüchtig zu werden, ein Weg gewiesen werden, der ohne Problematik war. Und die Leibesübung ist unproblematisch. So ist es eine innere Notwendigkeit der zionistischen Bewegung gewesen, daß unmittelbar mit den ersten Schritten auf dem Weg zu einem jüdischen Nationalheim auch die Makkabibewegung einsetzte. Eine nationale Bewegung, die von der Leibesübung her den jüdischen Menschen zum bewußten Juden, zum tätigen einsatzbereiten Mitglied seines eigenen Volkes erziehen wollte. Der Kampf mußte einsetzen bei den Minderwertigkeitsgefühlen, die sich aus der Atmosphäre der Assimilation ohne weiteres ergaben, und auf die sehr viele der Unseren mit einem Überschreien ihrer eigenen Werte, der Überbetonung jüdischer Leistung in der Welt reagierten. Es ging darum, den Juden wieder zu einem einfachen Menschen zu machen, und einfach ist nur, wer dem Gesetz des eigenen Wesens, dem inneren Wachstum zu lauschen vermag, wer bereit ist, an seinem Platz ohne Überwertung des eigenen Ichs und ohne Minderbewertung der Bindungen an die gottgegebene Gemeinschaft seinen Weg zu gehen. Der Makkabi wollte die jüdische Jugend haben. Er sprach sie an in einer Sprache, die leichter zu verstehen war als die Sprache irgendeiner Ideologie. Er verhieß denen, die mit ihm gehen wollten, den kraftvollen, gesunden, zuchtvollen jüdischen Menschen, den künftigen Bauern und Arbeiter unseres Volks, er verhieß ihnen die unbedingte Kameradschaft und die Schlichtheit des Miteinanderlebens. Das Programm war von Anfang, was es heute ist, war ideenmäßig und in der praktischen Ausführung schon das „Brünner Programm" von heute, mit der Forderung, daß der Makkabi seine Mitglieder durch körperliche und geistige Ausbildung zur Einsatzbereitschaft für den Aufbau von Erez Israel und alle übrigen nationalen Aufgaben des jüdischen Volkes erziehen solle. Das ist bekannt. Das brauchte hier nichtbesonders unterstrichen zu werden. Aber es hat in den letzten Jahren immer wieder Menschen gegeben, auch in unseren eigenen Reihen, die in diesem Erziehungsprogramm das Moment des Sports als Nur-Sport, den Sport als Spiel, den Sport als eine Angelegenheit des einzelnen wenn auch nicht darstellten, so doch zumindestens in sich selbst auffaßten und ihn so betrieben. Darum geht es uns heute und hier und künftig um eine Antwort auf die Frage „Nur Sport?" Die erzieherische Aufgabe der Leibesübung wird von keinem Menschen bestritten, auch von denen nicht, die die sportliche Erziehung durchaus abtrennen wollen von einer geistigen oder gar einer nationalpolitischen. Aber so hat diese erzieherische Aufgabe ein durchaus egoistisches Ziel. Sie strebt 28