Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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dann nur die persönliche Zucht des Einzelnen an. Sie will ihm ein körperliches, aber auch geistiges „Stehvermögen" anerziehen, d. h, die Kraft, Anstrengungen gleichmäßig und verhältnismäßig mühelos zu ertragen. Sie will ihn „hart im Nehmen" machen und ihn dazu bringen, körperlichen Schmerz, starken Widerstand eines anderen ohne Zucken zu ertragen. Sie will den Siegeswillen und die Tüchtigkeit, durch Leistung zu siegen, in ihm groß machen, sie will ihn aber auch dazu hinführen, eine Niederlage mit Anstand hinzunehmen, sie ohne Depression einzustecken, sie vielmehr nur als einen Ansporn zu betrachten, weiter zu üben, kraftvoller, tüchtiger, energischer zu werden, so daß der nächste Kampf mit einem Sieg enden kann* Das alles sind unbestreitbar Werte; sie sind in der persönlichen Erziehung des einzelnen, gleichviel was ihr Ziel sei, nicht zu entbehren. Zu jeder menschlichen Persönlichkeit, die Anspruch auf Wert und Würde macht, gehören diese Eigenschaften mit dazu. Aber der Sport macht den Arfspruch und hat ihn in die Wirklichkeit umgesetzt, daß er auch zum Gemeinschaftsgeist erziehe, zur Überwindung des persönlichen Egoismus. Der Sportler, der in einer Mannschaft spielt und kämpft, muß selbst zurückstehen können und einem anderen den Vorrang überlassen, wenrf es darum geht, für sein Team einen Vorteil auszunutzen. Er darf keine persönliche Eitelkeit haben* Die Einzelleistung hat nur Sinn durch die Unterordnung und Einordnung in die Mannschaftsleistung. Von solcher Haltung her wird nicht mehr der einzelne Sportler erzogen, sondern der Sport leistet Gemeinschaftserziehung. Sobald man aber diese Erziehung in der Mannschaft und um der Gemeinschaft willen anerkennt, verliert die Frage „Nur Sport?" völlig ihre Bedeutung. „Nur-Sport" kann es bei egoistischen Zielen geben. Mannschaftserziehung verlangt ihren Sinn über den einzelnen und über das Spiel hinaus. Gemeinschaftsgeist bleibt eine öde Phrase, wenn man bei ihm nur an eine Fußballelf oder an tausend Vereinsmitglieder denken wollte. Jeder Gemeinschaftsgeist erlangt seinen inneren Sinn erst durch die Beziehung auf die große sinnvolle Lebensgemeinschaft. Und hier fällt für uns Juden eine Entscheidung. Wir Juden sind nach Überlieferung und Schicksal niemals Einzelne. Auf jedem von uns liegt und lag durch unsere ganze Geschichte hindurch die Verantwortung jedes einen für alle. Die Bürgschaft des einzelnen Juden für alles, was in der Welt zum „Chillul ha Schern" oder „Kiddusch ha Schern" geschieht, ist uns nicht nur von außen her aufgezwungen, sondern in der Lehre des Judentum und in der volklichen Gebundenheit der jüdischen Nation bestimmt» Wenn wir aber eine solche Gemeinschaft nicht nur von der Theorie her erkennen, sondern aus der Wirklichkeit bejahen und uns in sie hineingestellt wissen, dann kann ein Jude nichts, aber auch nichts tun, was nicht seinen Sinn unmittelbar von der jüdischen Nation her empfinge. Wir können uns nicht mehr mit den ausweichenden Begriffen von Judentum und Judenheit begnügen. Die nackten Notwendigkeiten unseres gegenwärtigen Daseins überall in der Welt, der glühende Glaube an die Wiederkehr der Einheit von jüdischem Volk und jüdischem Land stoßen von zwei Polen her ein Kraftfeld zur Mitte vor, und dieses Feld heißt: lebendes Volk. Die nationale Renaissance, die dieses lebende Volk unter den Völkern so sichtbar machen soll, wie wir es als Wirklichkeit und Glauben zugleich in uns selbst tragen, diese nationale Renaissance verlangt, daß unsere Jugend in allem, was sie tut, sich als Träger dieser Zukunft erkenne und unter dieser Verantwortung handele. Für uns gibt es keinen „Nur-Sport", für uns ist die Leibesübung nur ein Teil in der gesamten Arbeit, die wir 29