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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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sammengesetzt aus schwer und leicht verständlichen Bibelzitaten) abgefaßt sind. Aus den Grabsteininschriften ist aber auch die Entstehung von Familiennamen und ihre Veränderung zu ersehen. So kamen z. B. die Wiener Juden und im 18, Jahrhundert auch vereinzelt Prager Juden schon mit einem sozusagen festen Familiennamen nach Zülz wie z. B. die Familien: Perlhefter, Bruck, Schück, Austerlitz usw. Manche von ihnen behielten ihre Namen bei, manche tauschten sie gegen den Sammelnamen Wiener bzw. Prager ein, wieder andere vertauschten sie mit Herkunftsnamen aus ihrer neuen Heimat. So wurde aus einem Perlhefter ein Friedländer. Ein welscher Jude, der sich um 1700 nach Zülz verirrte und damals noch seinen richtigen Familiennamen Luria trug, wurde nachher zu einem einfachen Welsch ebenso wie aus einem Lemberger ein gewöhnlicher Pollak. Erinnerungen an die Heimat ihrer Vorfahren bergen u. a. auch die Zülzer Familiennamen Badewitz, Herlitz, Kranowitz, Neisser, Troplowitz usw. IV. Die vorangegangenen Ausführungen gaben nur einen ganz kleinen Ausschnitt aus den ungeheuer reichhaltigen neuen Materialien, über die am Eingang dieses Aufsatzes berichtet wurde. Sie beweisen, daß noch recht viel unausgeschöpftes Material für die Kenntnis der jüdischen Geschichte in Schlesien und in Deutschland darin liegt, das durchaus der Bearbeitung wert ist. Ich hoffe, auf Grund meiner Forschungen in absehbarer Zeit zu einer abschließenden Arbeit über die Geschichte der Judengemeinde Zülz zu kommen, die eine Weiterführung und Ergänzung der anläßlich der 700-Jahrfeier dieser Stadt im Jahre 1927 erschienenen Arbeit „Die Juden in Zülz" des ehemaligen Breslauer Seminarrabbiners Dr. J. Rabin bilden soll. Ein Wort zu jüdischer Volksbildungsarbeit Von Bbr. Emanuel W einer - London. Als die hebräische Universität vor knapp zwei Jahren ihre Zehnjahresfeier beging, gab ich als Leser der „Jüdischen Rundschau" in einem Briefe an die Redaktion (vom 17. April 1935) der Meinung Ausdruck, daß eine wesentliche Voraussetzung für fruchtbare wissenschaftliche, lehrende und lernende Arbeit im Lande die Pflege der Volksbüchereien in Erez Israel sei. Wenn wir uns auf die Bedeutung des dem Laien gewidmeten Bildungswesens in anderen Ländern, wie etwa in Deutschland oder in der Schweiz, besinnen, so wird vielleicht die Erinnerung an diesen Hinweis ernste Beurteiler finden. Begegnen wir auf einem Spaziergang am Ufer eines Flusses einer Brücke, die diesen Fluß überquert, so werden wir uns unwillkürlich ein Urteil darüber bilden, ob diese Brücke schön gebaut ist, ob sie in das Landschaftsbild paßt, und vielleicht auch, ob ihre Bauweise ihrer Zweckbestimmung entspricht. Mit anderen Worten, wir bemühen uns beim Anblick dieser Brücke um ein Urteil, das, sofern wir nicht Fachmann für Brückenbau sind, sich aus unserem natürlichen Denkvermögen und unserem natürlichen Bedürfnis herleitet, Erfahrungen und Kenntnisse in irgendeiner Weise zu verarbeiten. Unser Siedler im Emek oder unser Arzt in Tel-Aviv sind beide keine Fachleute für Brückenbau, und doch wohnt ihnen beiden das Verlangen inne, sich über Fragen aus den verschiedensten Gebieten menschlichen Wirkens zu unterrichten, ihr Wissen aus Liebe zur Sache, beruflichem Interesse oder zugunsten einer ausgeglichenen Erziehung ihrer Kinder zu erweitern. Was es' daher bedeutet, Menschen mit gesundem und sicherem Urteil, Verant- 22

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