Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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gegen, daß das Privileg eigentlich nur für die Nachkommen des Israel Benedikt galt. Bei Zülz aber stand das Regal des Judenschutzes der Grundherrschaft zu, die es unterschiedslos jedem Juden zuteil werden lassen konnte, wenn er nur dafür bezahlte. Dieser Umstand, der sowohl im Interesse der Judenschaft als auch in dem der Grundherrschaft lag, verursachte eine sehr schnelle und rapide Vergrößerung der Zülzer Judengemeinde. Da der Ort selbst keinen genügenden wirtschaftlichen Spielraum bot, war Zülz eigentlich nur der Wohnort der viel oberschlesichen Dorfjuden, die mit dem „Kober" auf dem Rücken als „Koberjuden", wie der Schlesier' sa^te, oder als „Medinegeier", wie der Jude sie nannte, die wirtschaftliche Funktion des Vermittlers zwischen den Erzeugnissen der Stadt und den Produkten der Landleute ausübten. Die Zülzer Juden besaßen auch das Privileg in ganz Schlesien, auf den Märkten und Messen handeln zu dürfen. Ferner ließen sich in Zülz eine Anzahl jüdischer Münzlieferanten nieder, die uns in den Münzrechnungen der damaligen schlesischen Münzen häufig entgegentreten. Sie belieferten z. B. die kaiserliche Münze in Breslau, die fürstliche Münze von Bernstadt - Oels, die bischöfliche Münze im benachbarten Neiße. Diese Münzhändler bildeten die wirtschaftliche Oberschicht der Judengemeinde; aus ihrer Mitte rekrutierten sich die Führer der Gemeinde. In späterer Zeit wandten sie sich anderen wirtschaftlichen Zweigen zu, so besonders der Pacht von Branntweinausschanken und ständischen Zöllen, die monopolartigen Charakter hatten. Schon 1680 hielten sich z. B. Zülzer Juden als Pächter in Prausnitz bei Breslau, in Friedland bei Zülz, in Krappitz, Proskau, Steinau O/S., Czellitz und Breslau auf. Später sind Zülzer Juden nachweisbar in Brieg und Neiße, wo sie die jüdischen Gemeinden begründeten, andere Zülzer Juden wohnten in sämtlichen Orten Oberschlesiens und bekundeten ihre Verbundenheit mit Zülz nicht nur dadurch, daß sie sich in Zülz beerdigen ließen, sondern durch die Tatsache ihrer Zugehörigkeit zur Zülzer Gemeinde bzw. zur Zülzer Landjudenschaft, die sich bald als eigene Korporation innerhalb der jüdischen Gemeinde herauskristallisierte. Ein großer Teil der oberschlesischen Juden stammt daher aus Zülz, und seine Voreltern liegen wahrscheinlich auf dem alten Friedhof der Zülzer Gemeinde- Iii. Die Wichtigkeit der Grabsteine des Zülzer Friedhofs, die jeder doch ein Dokument für sich darstellen, ergibt sich aus dem Vorangegangenen. Obwohl die Gemeinde, wie bereits gesagt, ins 16. Jahrhundert zurückreicht, ist der älteste vorhandene Stein des Jehuda Loeb b. Tanchum Meinster Friedländer (so genannt nach dem Ort Friedland bei Zülz) vom Jahre 5448 (1687/88) datiert. Auch aus der Zeit bis 1750 sind wenig Grabsteine erhalten; der größte Teil stammt aus der zweiten Hälfte des 18. und 19. Jahrhunderts. Wie aus zahlreichen Bemerkungen auf den Grabsteinen ersichtlich, bestand ein Teil von ihnen früher aus Holz. Daher kommt es wohl, daß aus den frühen Zeiten so wenig Steine erhalten sind, denn selbstverständlich sind nicht alle Holzgrabmäler durch steinerne ersetzt, sondern vielmehr durch die Witterungseinflüsse u. a. vernichtet worden. Für die Zeit bis 1812 bieten diese Steine die einzige urkundliche Quelle für die Sterbedaten sowie für sonstige Angaben über die Verstorbenen dar. Eine gewisse Schwierigkeit besteht allerdings darin, daß Familiennamen auf den hebräischen Grabsteinen im allgemeinen nicht angegeben sind (zuweilen sogar für die Zeit nach 1812). Dagegen ist dort immer verzeichnet der hebräische Name (nebst Stammesbezeichnung und der Titulatur), sowie das jüdische Datum. Kulturhistorisch höchst interessant ist die Sprache der langen hebräischen Texte auf den Grabsteinen, die zumeist im Musivstil (d. h. zu- 21