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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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das war, vor den anderen sich auszuzeichnen, der Erste vor allen zu sein, so liegt darin schon die tiefe Begründung des Individualismus. Ideal israelitischer Erziehung war zu einer Zeit, als das Giechentum sich erst zu entwickeln anfing, die Erziehung der Allgemeinheit zu den Ideen der geistigen Führer des Volkes, die diese im Laufe der Zeit als die richtigen erkannt hatten. Damit ist die Grundlage für die Auffassung einer seelischen Gemeinschaft gegeben, die zu einer Gemeinschaft überhaupt führen konnte, zu dieser späterhin, allerdings erst im Laufe der Jahrhunderte, geführt hat. Dies sind einige Betrachtungen über Judentum und Hellenismus. Es ließe sich noch sehr viel dazu sagen, aber diese Zeilen sollen nur anregen, denn die Auseinandersetzung zwischen Griechentum und Judentum ist noch heute nicht beendet. Wer unsere Religionsphilosophie kennt, weiß, daß das Work des Maimomides dieser Auseinandersetzung gilt, der weiß auch weiterhin, daß gewisse grundlegende Ideen des Christentums — Erbsünde, Logoslehre usw. — ein Ergebnis dieser Auseinandersetzung sind. Folgt doch aus der schließlichen Entwicklung, die das Judentum nahm, die aber schon in seiner Grundauffassung begründet war, daß das Judentum bedeutet: Anders zu sein als die Umgebung, während das Griechentum seine Aufgabe darin fand, seine Auffassung anderen Völkern beizubringen, sie zu hellenisieren. Judentum und Hellenismus waren beide unbedingt für die Entwicklung der geistigen Kultur notwendig. Immer wieder ward der Versuch gemacht, sie zu einen, die Entwicklung der Kultur unter dem Gesichtswinkel zu betrachten, daß dereinst das alte Bibelwort sich bewahrheite: Mögen sich die Zelte Sems weiten für das Griechentum. Dem Einzelnen mag die Synthese gelungen sein, der Idee nach sind sie beide trotz aller Einigungsversuche bis heute von einander geschieden. Der „Träger von Gegenwart und Zukunft" Wir erhalten von Bbr. Raphael Straus-Jerusalem folgende Zuschrift, der wir hier Raum geben. D. Red. Das Präsidium des K.J.V. hat meinen Aufsatz im vorigen Heft des „Jüdischen Willen" mit einer offiziellen Vorbemerkung beehrt. Darum muß es sich eine Nachbemerkung meinerseits gefallen lassen. Für mich hat diese Vorbemerkung gar nichts Überzeugendes, und es wäre mir lieber gewesen, das Präsidium wäre seiner Herzensregung gefolgt und hätte meinen Aufsatz doch „unterdrückt". Und warum das? Weil mich jene Vorbemerkung gar zu sehr an eine drollige Karl-Valentin-Szene erinnert, in der ,,Lucki" auf der Radio-Station erscheint und beharrlich dabei verharrt, dort elektrische Glühbirnen kaufen zu wollen. Wie dort dem Radiodirektor, so ist es mir gegenüber dem Präsidium völlig mißlungen, einen an sich offenbaren Sachverhalt glaubhaft zu machen. Denn in Wirklichkeit habe ich nicht das mindeste von einem „Ideal"-Juden geschrieben, der sich von der jüdischen Politik fernhalten „soll", nichts davon, daß er keine „Geschichtserlebnisse" haben „darf" — aber auch noch nicht einmal das Gegenteil von alldem, sondern schlechtweg — etwas ganz anderes. Denn ich habe von denjenigen Juden gesprochen — und es ist notwendig die entscheidende Mehrzahl des Volkes —, die von der Politik ferngehalten sind, von denjenigen, die kein, oder wenig, oder trübes „Ge- 18

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