Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Vermessung von Land, ganz Bedeutendes geleistet haben, von der Technik ganz zu schweigen, und schließlich ist die griechische Philosophie aufs stärkste von semitischen Einflüssen beeindruckt (Thaies von Milet, nach dem alles aus dem Wasser herrührt; eine ursemitische Auffassung, die auch im ersten Kapitel der Bibel anklingt), Aber das Wesen jeder Wissenschaft, insbesondere auf Grund der Beobachtung zu unterscheiden, zu sondern, also in gewisser Hinsicht zu subordinieren und damit die Ergebnisse der Forschung unter gewisse Hauptgesichtspunkte zu bringen, ist das Verdienst der Griechen. Nur ein Grieche konnte den Satz prägen, daß der Mensch das Maß aller Dinge sei, da ja nur der Mensch von seinem Standpunkt aus sondern und unterscheiden kann. Auch das Verhältnis von Leben und Tod mußte naturgemäß bei den Hebräern ein anderes sein als bei den Griechen; nur ein Jude konnte in seiner Auslegung der biblischen Worte über den letzten Schöpfungstag sagen: Gut ist der Tod, der ihm eben auch zur Schöpfung gehört. Für den Griechen war der Tod etwas Nichtgutes. Es ist schon der Einfluß nicht nur des Parsismus, sondern eines durch das Griechentum stark beeinflußten Judentums, daß die persönliche Aufstehung — Ezechiel kennt nur die Aufstehung des gesamten Volkes —■ zum Glaubenssatz werden konnte. So muß auch der Hebräer, der Semit überhaupt sich anders als der Grieche zum Leben einstellen. Der einzelne Mensch tritt neben den anderen, grundsätzlich nicht unter ihn; einer ist dem anderen gleich geordnet, aber allen gemeinsam ist das Bewußtsein, daß über ihnen, den unter sich Gleichgeordneten, eine höhere Macht steht, der sie alle gleichmäßig unterworfen sind. Es ist nicht wie bei den Griechen die Macht des blinden Schicksals. Es ist besonders bei den Hebräern die leitende Hand des Herrn der Welt, der gesamten Welt des Himmels und der Erden, die bereits den Mann, der als der Stammvater, als Stammheros angesprochen wird, geführt und geleitet hat. Das Gefühl unbedingter Abhängigkeit von dieser Macht, vor der es keine Unterschiede gibt, ist die herrschende Grundauffassung der Hebräer. Trotzdem besteht zwischen dem Volke, besser gesagt zwischen der Gesamtheit, und dieser Macht ein persönliches Verhältnis, ganz anderer Art als bei den Griechen und ihren Göttern. Dieses Verhältnis ist rein ethischer Natur, was hier nicht weiter ausgeführt werden kann. Bei den Griechen sind es die persönlichsten Beziehungen, die den Einzelnen mit irgend einem Gotte verbinden, ein dem Hebräer gänzlich unfaßbarer Gedanke. Die Götter der Griechen sind entweder personifizierte Naturkräfte oder ins Übermenschliche gesteigerte Menschen mit allen Fehlern und Lastern eines Menschen, allerdings auch mit seinen Vorzügen. Der Grieche sieht in dem einzelnen Gott seinen Freund oder Feind, das israelitische Volk sieht in seinem Einheitsgott nicht nur den Schöpfer des Himmels und der Erde, sondern auch den der Sittlichkeit, an den er sich nur dann wenden darf, wenn er selbst seinen sittlichen Geboten nachstrebt. Deshalb betet auch noch der Jude von heute grundsätzlich nicht für sich, sondern für das ganze Volk, wenn auch selbstverständlich im Laufe der religiösen Entwicklung, die bereits im ersten Exil beginnt, das Ich, der Einzelne ebenfalls zu seinem Recht kommt. Aber der Grieche ist nicht bloß der geborene Rationalist, er ist, wie schon aus dem Vorhergehenden folgt, der geborene Individualist. Das liegt schon im Wesen der griechischen Erziehung, wie dies Jäger in seiner „Paideia" so treffend ausgeführt hat. Dieses Werk sei allen denen, die sich für griechisches Wesen interessieren, angelegentlich empfohlen. Wenn das Ideal griechischer Erziehung wenigstens bei dem allein vollberechtigten Vollbürger 17