Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Kompetente halachische Entscheidungen bedürfen aber der Zustimmung der maßgebenden Stellen. In diesem Zusammenhang sei auch die Melkfrage am Sabbat erwähnt, die den religiösen Kwuzoth Schwierigkeit bereitet und die halachisch leider bisher eindeutig noch nicht entschieden ist. Der bisherige Usus, einerseits wegen Tierquälerei am Schabbath zu melken, andererseits die Milch nicht verwenden zu können, ist wirtschaftlich völlig untragbar. Eine Verzögerung der halachischen eindeutigen Entscheidung kann unübersehbare Folgen für das religiöse Judentum in Erez Israel nach sich ziehen.. Die Frage der Halacha darf aber nicht falsch gestellt werden. Sie ist nicht nur eine Frage der eventuellen Notwendigkeit halachischer Weiterbildung, sondern eine Frage der Kompetenz und der Autorität. Wer ist berufen, halachische Entscheidtingen früherer rabbinischer Gremien aufzuheben und neue herauszugeben? Halachische Entscheidungen gehören zur Kompetenz eines Synhedriums. Eine Konstituierung des Synhedriums in unserer Zeit setzt die Teilnahme aller anerkannter halachischen Weltautoritäten voraus. Aus der Arbeit eines solchen Gremiums könnten ungeahnte religiös* Energien frei werden. Sie ist die grundlegende Voraussetzung für eine Neuordnung des religiösen Lebens und überhaupt für die Möglichkeit der Religion im Leben Erez Israels. Judentum ~ Hellenismus Von Bbr. Georg Wunderlich - Oppeln. Des Griechen Lustsinn und der Gottgedanke Judaeas .... Es ist immer mißlich, ganze Ideenkreise, zumal wenn sie sich mit Kulturkreisen decken, auf eine Formel zu bringen. Die Menschen, welche die Träger dieser Kultur sind, sind zunächst Menschen mit Bedürfnissen, die allen Menschen gemeinsam sind; erst die Art und Weise, wie sie diese Bedürfnisse befriedigen, insbesondere der Gesichtswinkel, unter dem sie zu den Bedürfnissen überhaupt und zum Leben insbesondere Stellung nehmen, bedingt die Verschiedenheit der Kulturen und ihres Ideengehalts. Deshalb gibt es grundsätzlich keine absolute Ausschließlichkeit einzelner Völker, Schöpfer der Kultur zu sein, keine unbedingte Feststellung eines Volkes wie des Einzelnen in einem Kulturkreis; wohl aber ist es möglich, zum mindesten für gewisse Völker und Kulturkreise leitende Gesichtspunkte und Richtlinien klar zu legen, welche als wesentliche Merkmale, wenn sie auch schwächer ausgeprägt bei anderen Völkern vorkommen, in die Erscheinung treten. So sind denn die Erörterungen dieser Art stets cum grano salis zu behandeln, namentlich dann, wenn diese verschiedenen Kulturkreise derartig auf einander eingewirkt haben, daß auf vielen Gebieten nicht nur eine Symbiose, sondern eine tatsächliche Einheit eingetreten ist. Mit dieser Einschränkung wollen wir versuchen, einige grundlegende Unterschiede zwischen Judentum und Hellenismus aufzudecken. Die Kultur der Hebräer war zu der Zeit, in der sie in den Gesichtskreis der Geschichte eintritt, eine auf monotheistischer Grundlage beruhende Nomadenkultur. Ihre Träger handeln in der Zeit der Volkswerdung unter dem Zwange, aus Nomaden ansässige Bauern, aus Wüstenbewohnern Bauern des gelobten Landes zu machen. Aber gewisse geistige Grundlagen der Nomadenkultur bleiben stets, wenn auch schließlich unbewußt vorhanden, ins- 14