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Der jüdische Wille · 1937-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1937) · page 13

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
5 (1937)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1937)
Date
1937-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Das Schabuothfest wird in Erez Israel wieder zum „Chag Habikubim", an dem der Mensch echte jüdische „Simchah schel Mizwah", Freude an der Pflichterfüllung, empfinden kann. Das Gebet um Regen am Semini Azereth wird wieder aus den klimatischen Verhältnissen Erez Israels verständlich. Die Sukkah ist nicht mehr Symbol, sondern Lebenswirklichkeit, Chamischa Assar b' Schwat ist wieder ein wahres Baumfest geworden und ähnliches mehr, Die Arbeiterschaft Erez Israels hat diese Feste zu ihren Festen gemacht. Aber wie in der Golah eine Gefahr der Klerikalisierung der Feste bestand, gibt es in Erez Israel die Gefahr einer Säkularisierung und übertriebenen Modernisierung der jüdischen Feste. Jüdische Feste sind letzten Endes auch religiöse Feste, Glaube und Tradition haben hervorragenden Anteil an ihnen. Feste werden schematisiert, wenn man sie ihres religiösen Grundgehaltes entkleidet. Bialik sagt einmal: „Feste kann man nicht erfinden. Man kann zwar Form und Stil der Feste ein wenig zurechtmachen, aber man kann nicht aus dem Nichts etwas Neues schaffen. Und wie man auf Bestellung keine Gedichte schreiben kann, so kann man auch kein Festprogramm bestellen. Die wahren Feste gehen vom Herzen aus und kommen durch Gott in die Welt. Feiert die Feste eurer Väter und fügt nach eurer Kraft von eigenem hinzu. Und lasset das viele Klügeln. Eure Väter haben immer wieder dieselben Sabbate und Feste gefeiert und fanden jedesmal einen neuen Sinn. Und wißt ihr, warum? — Weil Lebenskraft in ihnen war. Findet ihr aber in den Festen keinen Sinn, so ist das ein Beweis dafür, daß eure Seele leer und euer Inneres wochentäglich ist." Gewisse Richtungen innerhalb der Arbeiterschaft haben den Versuch gemacht, religiöse Formen radikal zu erneuern. Der Versuch ist jedoch nicht geglückt. Ich erinnere nur an die „Hagadah von Giwath Brenner", an die Feier des Jomkippur in vielen Kwuzoth, die dem religiösen Bedürfnis der Arbeiterschaft in weitesten Kreisen keineswegs adäquat sind. Die Religiosität des neuen Palästinas wird sich von unserer traditionellen Religiosität sicher stark abheben. Man spricht heute bereits von der Möglichkeit einer freien Religiosität. Wird sie losgelöst sein von allem Traditionellen, so wird sie nicht echt und organisch sein können, weil sie aus der Erlebnissphäre einer organisch erwachsenen Gemeinschaft in das subjektive Werturteil des einzelnen verlagert wird. — Die Frage der Lehrbarkeit der Religion oder ihrer Anerziehung soll hier nicht diskutiert werden, Aber die prinzipielle Bereitschaft weitester Kreise zur Aufnahme religiöser Inhalte darf nicht zur Selbstgenügsamkeit führen. Voraussetzung ist die Kenntnis der religiös nationalen Quellenschriften unserer Tradition. Hieraus ergibt sich der bedeutende erzieherische Wert des Lernens für die religiöse Meinungsbildung, — Das bedeutendste Problem in der religiösen Diskussion, das zugleich von weitreichender weltanschaulicher Bedeutung ist, bildet das Problem der Halacha. Aufgabe der Halacha war es stets, die Lehre der Thora im Leben wirksam werden zu lassen. Der große Komplex der halachischen Erschwerungen und Verordnungen hat eine bestimmte Situation des jüdischen Volkes zur Voraussetzung: die Diaspora. Lebte das jüdische Volk im eigenen Lande, ein halachisches Gebäude in seiner heutigen Gestalt wäre undenkbar, weil die Konzentration auf ein Land viele Voraussetzungen der Halachot aufhebt. Daraus ergeben sich hochaktuelle Fragen. Als Beispiel diene die Sabbatgestaltung. Aus der berechtigten Forderung nach Sabbatruhe, aber aus der ebenso berechtigten Forderung der ,,Awoda Iwrith" ergeben sich die Konfliktstoffe. Die Arbeit am Sabbat in den lebenswichtigen Betrieben darf keineswegs etwa die Hände arabischer Arbeiter gegeben werden. Hier wird diö Halacha eingreifen müssen. Der verstorbene Tel-Aviwer Rabbiner Aronsohn hat die Möglichkeit gewisser Tätigkeit am Sabbat in Erwägung gezogen. 13

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