Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Juda Leon Abrabanel charakterisiert seinen Vater in folgenden Worten: „Schild und Mauer, rettete die Dulder vor der Gewalt ihrer Widersacher, heilte die Risse und wehrte die grimmigen Löwen von ihnen ab." In diesen Worten ist alles enthalten, was zur Charakteristik dieses Mannes zu sagen ist. Sein Schicksal nimmt jedoch bald eine jähe Wendung, die bedingt ist durch den Tod Alfonsos V. Sein Sohn Joäo II. ist ein argwöhnischer, absoluter und autokratischer Herrscher. Er läßt alle Freunde seines Vaters töten und plant ein Attentat auch auf Isaak Abrabanel. Der sieht sich deshalb gezwungen, nach Spanien zu fliehen, wo er von den Juden in großen Ehren aufgenommen wird. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit dem Rabbiner Isaak Aboab. Abrabanel muß jetzt als Privatmann leben, und er faßt diesen Schicksalsschlag als eine Strafe dafür auf, daß er die Thora vernachlässigt und sich mit weltlichen Dingen beschäftigt hat. Er fängt an, literarisch zu arbeiten. Aber es dauert nur kurze Zeit, und das spanische Königspaar Fernando und Isabella rufen ihn an den Hof und übergeben ihm die Finanzen Spaniens. Es wiederholt sich dasselbe Schicksal: Er ordnet die Finanzen des Staates, wird geehrt und hat — trotz Torquemada — Freundschaften am Hof. Bald fängt der Krieg Spaniens gegen Granada an. Die letzte islamische Festung wird genommen. Das mohammedanische Reich zerfällt, in ein Nichts. Ganz Spanien wird christlich. Ein Taumel erfaßt die Menschen: Man hat die letzten Ungläubigen besiegt. Und nun entsteht in den Köpfen dieser Menschen die Frage: Ist es wirklich nicht möglich, auch den letzten Rest der Ungläubigkeit, nämlich die Juden zu besiegen? So wird die Masse verhetzt, aufgestachelt und die Austreibung der Juden psychologisch vorbereitet. Das Königspaar kann sich dieser Massenstimmung nicht entziehen und gibt nach. Abrabanel verhandelt, bietet Geld an, nutzt Beziehungen aus, bittet. .. es hilft nichts. Das Edikt wird unterzeichnet, und die Juden müssen Spanien verlassen. Das war 1492.-- Wohin sollen sie gehen? Ein Teil der Juden wirft ein Auge auf Neapel, mit gutem und sicherem Instinkt. Ferdinand I. benimmt sich überaus menschlich und gestattet die Einwanderung. Auch Abrabanel geht nach Neapel. Lebt kurze Zeit "(3 Privatmann, beschäftigt sich mit Literatur. Wiederholung des Kreislaufs: Kurze Zeit später beruft ihn Ferdinand als Finanzfachmann an den Hof. Er bringt die Finanzen in Ordnung. Er lebt vornehm und gut, wird sehr geachtet und ist beliebt. Auch noch unter Ferdinands Nachfolger: Alfonso. .Dann kommen die Franzosen und er flieht mit seinem Gönner nach Sizilien. Dann nach Korfu. Er läßt' sich schließlich in Monopoli in Apulien nieder. Ohne Geld und getrennt von seiner Familie. Einer seiner Söhne lebt in Genua, der zweite in Venedig. Dorthin geht er nun, um auch in dieser Stadt noch einmal das gleiche Schicksal zu erleben. Zuerst Privatmann, kurze Zeit wieder Staatsmann, schlichtend zwischen Venedig und Portugal in wirtschaftlichen Fragen, um endlich im 71. Lebensjahr dort zu sterben. Er wird in hohen Ehren nach Padua überführt und dort beerdigt. Ein Jahr später wird diese Stadt zerstört. Das jüdische Volk kennt bis zum heutigen Tag nicht das Grab eines seiner größten Söhne. IV. Wir haben schon oben gesagt: zwischen den Phasen seiner politischen Tätigkeit steht die wissenschaftliche Arbeit. Und so merkwürdig es klingen mag — dieser Mann war auch zum Wissenschaftler, besonders aber zum Kommentator nicht weniger prädestiniert als zur Politik. Es ist eine seltene Verbindung zweier Welten. Aber in ihm haben sie siel? wirklich gefunden. 5