Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 5 (1937)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der Finanzkassen des Landes gebrauchte, drückte man in der spanischen Umwelt ein Auge zu. Es war mehr Duldung als Zustimmung, mehr Notwendigkeit als Approbation. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, daß Hand in Hand mit den angesehenen Stellungen von Juden am spanischen Hof die Vorbereitung der grausamen Inquisition Torquemadas einherging. Deshalb auch das starke Bemühen dieser intoleranten katholisch-orthodoxen Welt, den Außenseiter zu paralysieren, ihn zur Taufe zu zwingen und das spanische Volk gewissermaßen von innen her immun zu machen und so seine Ehre wieder herzustellen. Als alle Taufversuche nicht zu ihrem Ziele führten, wurden das Königspaar Fernando und Isabella zur Austreibung der Juden gedrängt. Und hier offenbart sich eine ungeheuer interessante, in der jüdischen Geschichte sich oft wiederholende, psychologische Haltung unseres Volkes: Die Luft war geladen. Jedes Jahr brachte neue Erschwerungen. Die Juden Castiliens und Aragoniens hätten spüren müssen, daß ihre Zukunft in Spanien nicht gesichert ist. Aber sie entschlossen sich nicht zur Auswanderung und verschlossen ihre Augen vor der Wirklichkeit. Zur Erklärung dieser Lebenshaltung gibt es genug Motive; sie liebten Spanien über alles, weil sie sich mit der Kultur dieses Landes verwachsen fühlten; von ihrer Unentbehrlichkeit im Lande waren sie überzeugt. Sie verließen sich auf die jüdischen Günstlinge am spanischen Hof. Und besonders groß war ihr Vertrauen auf den letzten jüdischen Staatsmann auf der pyrenäischen Halbinsel. Es ist ein Mann, der d i e Kette großer jüdischer Politiker in Spanien abschließt, die mit Chasdai Ibn Schaprut begonnen hat. Er heißt: Don Isaak Abrabanel und ist im Jahre 1437 in Lissabon geboren. Wir zählen jetzt 1937. Unser Volk begeht seinen 500. Geburtstag. III. Das Leben dieses Mannes ist ein Wechselspiel zwischen Politik und Wissenschaft*), Staatskunst und Philosophie, Finanzmaßnahmen und jüdischer Theologie. Sobald ihn die politische Karriere im Stich ließ, beschäftigte er sich mit Literatur und schrieb bedeutende Werke. Die literarische Tätigkeit hörte auf, sobald er eine politische Berufung erhielt. Genauer gesagt stehen der Anfang und das Ende seines Lebens unter dem Zeichen des Schriftstellertums, die Mitte unter dem der Politik. Isaak Abrabanel war keine phantastische Natur, Nüchternheit und Klarheit des Denkens zeichneten ihn aus, er besaß ein edles Gemüt, war bescheiden, klug, uneigennützig, sehr talentiert; er beherrschte Staatskunst und Finanzwissenschaft in besonderem Maße, Eigenschaften, die ihn von vornherein zum Politiker geeignet machten. Alfonso V., König von Portugal, entdeckt« sein Talent, beruft ihn an den Hof und vertraut ihm das Finanzwesen des Staates an. Er folgt der Berufung, lebt am Hofe, bringt die Staatsfinanzen in Ordnung, wird von allen geehrt, und sein Haus ist ein Mittelpunkt der Gelehrsamkeit und der Diplomatie. Alfonso ist ein gerechter König. Seine Regierung ist die letzte glückliche Zeit für die Juden in Portugal. Die Selbständigkeit der jüdischen Gemeinden wird in dieser Zeit in die Gesetzesordnung aufgenommen und Urkunden von Juden dürfen in hebräischer Sprache geschrieben werden. Diese Zeit nutzt Abrabanel. Er hilft, wo er kann, löst gefangene Juden aus, ordnet sie in die Wirtschaft des Landes ein, interessiert den Papst Sixtus IV. für ihre Lage. Es ist gewiß verständlich, daß sich die Judenheit unter dem Schutz eines solchen Staatsmannes am königlichen Hofe sicher fühlt. Sein Sohn *) Vergl. das nachstehende Verzeichnis der gedruckten und im Manuskript vorhandenen wissenschaftlichen Werke Abrabanels, die Rabbiner Dr. J. Freimann dankenswerterweise zusammengestellt hat. (Bei der Rechtschreit uri£ [ Abra« banel? Abravanel?] haben wir uns nach dem Willen der Auroren gerichtet. Die Red.) 4