Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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im Erzählen der frommen Geschichten, die -den Ernst und die Güte Gottes und die Sorge und die Zuversicht des Menschen schlicht und groß zum Ausdruck bringen. (III. Die erste Nacht des Menschen.) In den altbekannten Geschichten „Wie Abraham Gott erkennt" (I), „Hillels Geduld" und „Rabbi Akibas Werdegang" werden Menschen und Ereignisse mit psychologischer Feinheit und origineller Verknüpfung der Einzelheiten lebendig dargestellt. Der Riese Og ist zu einem phantastischen, ja grotesken Gegenstand erhoben worden. Alles in allem ein reiches Material, um die Phantasie der Jugend mit jüdischen Gestalten zu erfüllen und ihr Gefühl und ihren Willen mit der Weisheit der Jahrtausende zu verbinden. Das 4. Heft ist einer Epoche gewidmet, die durch die moderne nationaljüdische Bewegung zu besonderer Bedeutung gelangt ist. Da -die Quellen des makkabäischen Befreiungskampfes weder in den hebräischen noch in den neueren deutschen Bibeln enthalten sind und die Apokryphen, die als Nachtrag zur Zunzschen Bibel von D. Cassel herausgegeben worden waren, nur noch wenigen zur Verfügung stehen, ist es zu begrüßen, daß der Schocken-Verlag die wesentlichen Teile des 1. Makkabäerbuches in einer billigen Ausgabe der privaten und Schullektüre durch Felix G r a j e w zugänglich gemacht hat. Nach einer knappen, sachlichen Einleitung werden die im 1. Makkabäerbuch geschilderten Ereignisse durch eine kurze Überschrift kenntlich gemacht! Die Aufgabe der überlieferten Einteilung in Kapitel und Verse bewirkt, daß die Darstellung fesselnd und bewegt wird. Indessen scheint mir die Charakteristik Judas als weltlicher Held (S. 8) eine künstliche Deutung des Sachverhalts zu sein, die, wie der Verfasser selbst zugibt, im Gegensatz zu dem Bilde steht, das die geschichtliche Überlieferung von Juda Makka- bis Wesen und Wirken entworfen hat. Es ist wohl daran festzuhalten, daß Juda anders als die späteren Hasmonäerfürsten durchaus ein religiösnationaler Führer gewesen ist, der als Sohn des Volkes stets die selbstverständliche fromme jüdische Haltung bewahrt hat. — Einige Makkabäerpsalmen (74, 79, 80) und bemerkenswerte Zitate aus dem Buche Daniel hätten vielleicht die von Kämpfen und wechselvollen Geschicken erfüllte Zeit noch lebendiger und auch äußerlich bewegter erscheinen lassen. Zur wertvollen Ergänzung der Einleitung verweise ich auf Eugen Täublers Vortrag: Der makkabäische Staat im Rahmen der Weltpolitik, der den Zusammenhang zwischen den Vorgängen in der Umwelt und dem Wiederaufstieg des jüdischen Volkes zu selbstbewußtem eigenem Volktum besonders deutlich macht und den großen Zug, der die Menschen und die Ereignisse jener Tage bestimmt, unmittelbar empfinden läßt. Das 5. Heft der Jüdischen Lesehefte: Das Leben des Rabbi Mosche ben Maimon, aus seinen Briefen und anderen Quellen ... ist als eine besonders wertvolle Publikation zu betrachten, für die wir dem Verlag und dem Herausgeber Ismar Elbogen Dank und nachdrückliche Empfehlung schulden. Aus privaten Briefen, öffentlichen Sendschreiben, dem Vor- und Nachwort seiner Werke tritt uns Rambam in seinem ehrlichen Streben nach Erkenntnis der jüdischen Wahrheit und liebenswerten Zügen seines Charakters unverhüllt und unverzerrt entgegen. Er offenbart seine nationale Gesinnung, wenn er des Tages in Dankbarkeit gedenkt, an dem er den Boden von Erez Israel zum erstenmal betreten durfte. Seine echte, starke Zuneigung zu seinem Bruder beweist die schmerzliche Erinnerung an den Verlust des Bruders, die ihn in einem langen Leben nicht verläßt. Bescheiden bleibt er seiner Mängel bewußt, er ist dankbar für eine ehrliche und gerechte Kritik, die andere Gelehrte an seinen Werken üben. In der Fülle der eigenen wissenschaftlichen und allgemeinen jüdischen Interessen bleibt er der gewissenhafte Arzt, der bis zur kör- 269