Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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zierten Nur-Chemiker ehelich gebunden ist. Das Buch ist durchaus interessant und spannend geschrieben, — soweit es besteht. Plötzlich nämlich hört's auf, gerade wo es am spannendsten wird. Warum? Der Autor wird's wohl wissen. Ich weiß es nicht. Den Band füllen schließlich fünf nette kleine Erzählungen aus. Max Jungmann. Jüdische Lesehefte (Unter Mitwirkung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland.) Herausgegeben von Studienrat Dr. Adolf Leschnitzer. Schocken-Verlag, Berlin 1935. Heft 1—5. Im Schocken Verlag sind unter Mitwirkung der Reichsvertretung und der Redaktion unseres Bundesbruders Leschnitzer Jüdische Lesehefte für den Schulunterricht und das Selbststudium erschienen, die eine gründliche Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur aus den Quellen vermitteln sollen. Die Hefte 1—3 enthalten ein reichhaltiges und für die verschiedenen Altersstufen sorgfältig ausgewähltes Material aus dem Midrasch und der Agada. Sie bieten im Grunde genommen wertvolle Proben der Lebensarbeit Micha Josef Berdyczewskis (Micha Josef bin Gorions) dar, der mit liebevoller Geduld, taktvoller Kritik und geschickter Hand die jüdischen Sagen und Legenden sammelte, ordnete und nach ihrem Ursprung erforschte und von seiner Frau wortgetreu und sinngemäß in die deutsche Sprache übertragen ließ. Freilich ist in dem vorliegenden Bändchen der Stoff, dem ja auch eine große Bedeutung für die religiöse und moralische Erziehung der jüdischen Jugend zukommt, von Rahel Berdyczewski und ihrem Sohn Emanuel in eigener, oft recht freier Nacherzählung neu gestaltet worden. Schmarja Levin und andere jüdische Persönlichkeiten, die noch in einem ungebrochenen jüdischen Volksleben und einer lebendig gewachsenen jüdischen Volkskultur aufgewachsen waren, bezeugen in ihren Jugenderinnerungen, welche gemütbildende Kraft in der Haggada, den frommen Dichtungen und mora« lischen Erzählungen des jüdischen Volkgeistes verborgen lag und durch die Mutter, die die Haggada aus der Zenne-renne (Z'änah ur'änah) und den Maaßebüchern immer wieder kennenlernte, dem Kinde übermittelt wurde. Wir allerdings beklagen oft in unseren schicksalsschweren Tagen, wie nüchtern und kraftlos, unjüdisch und im letzten Grunde unfromm das innere Leben und das äußere Tun unserer Menschen und unseres Volkes im aufgeklärten Mittel- und Westeuropa geworden und geblieben ist, so daß die Zuversicht, die die Seele ruhig macht und dem Leben eine feste Richtung gibt, verloren gegangen ist und die Jugend das schlichte, aber starke Gefühl, mit ihrem Volk und seinem Geschick verbunden zu sein, und den Willen, als bescheidene und zuverlässige Glieder an seinem Leben und seiner Zukunft mitzuschaffen, vermissen läßt. Und wenn der Verfasser und die Verfasserin der vorliegenden Erzählungen aus Midrasch und Ageda bemüht sind, eine bedeutsame und achtunggebietende Leistung der modernen jüdischen Wissenschaft unserem Volk und seiner Jugend nutzbar zu machen, so ist es für uns alle, Eltern, Lehrer und Erzieher ein dringendes Gebot, durch Benutzung und Verbreitung der äußerlich anspruchslosen, aber ihrem Inhalt nach gediegenen Hefte zu helfen, daß die seelischen Kräfte unserer Jugend wieder stark und lebendig werden. Aus den Erzählungen sind hervorzuheben: Die von anschaulicher Bewegung getragenen Tiergeschichten (Hund und Katze, Fuchs 1 und Leviathan). Besondere Anerkennung verdient die taktvolle Zurückhaltung 268