Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2827066-3186705-3186710--1388-3187459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
umgibt, wir selbst mit am Fuße des Turrnbaus zu Babel. Doch nicht die äußere Spannung, sondern die innere Dramatik sollte das Eigentliche dieses Buches sein. Diese in seiner Kraft sich wiegende Welt des Muskelmenschentums ist ja nicht leblose Vergangenheit, dieses in seinen Grausamkeiten ebenso verfeinerte wie in seinen Genüssen differenzierte Heidentum ist ja nicht sagenhaft fern—sondern es lebt, lebt in uns und will weiterleben. Nimrod oder Abraham sind nicht drei Worte einer Literatur, sondern die Fronten unseres eigenen jüdischen Lebens. Deshalb sollte man in diesem Buche lesen, was nicht in ihm geschrieben ist. Vielleicht wird manch einer dann darin finden, was der Autor in den Sagen und Schriften gefunden hat: Trost und Aufrichtung und jüdischen Stolz. Ernst Fürstenthal aber ist zu wünschen, daß er diesem ersten Band einen zweiten folgen läßt, der die Darstellung des Lebens Abrahams vervollständigt. Dann wird auch der Titel des ersten Buches „Abraham" statt „Awram", wie es seinem Inhalt nach mehr entsprechen würde, als Gesamtüberschrift gerechtfertigt sein. Ernst Hamburger. 1. Margarete Moses:Diesen u.aucfiTenen hat Gott gfemacfit' Ein Palästina-Roman. Berlin. Brandussche Verlagsbuchhandlung. 2. Paul Pourtant Die Stadt Israels Roman. Fiba-Verlag. Wien. ', Das Schicksal der Juden Deutschlands hat Probleme aufgewirbelt, die den Dichtern einen Reichtum lockender Motive bieten. Menschen, an schwankende Gegenwart geklammert, pendeln zwischen Träumen der Vergangenheit und Hoffnungen der Zukunft. Welche Fülle von Tragödien liegt darin verborgen! Welche seelischen Bewegungen entfacht das große Abschiednehmen der Wandernden und der Zurückbleibenden, das Abschiednehmen im äußern und im geistigen Sinne! Wo wir bleiben, wohin wir gehen, überall begleitet uns dieses uralte Symbol des jüdischen Schicksals. Selbst auf dem Boden Palästinas. Leichter freilich wird es hier getragen und gelöst von den Menschen, die in das Land der'Ahnen wirklich heimkehren, schwerer von jenen, die nur in der Not eine Zuflucht am mütterlichen Busen suchen. Von Juden, die aus Deutschland nach Palästina kamen und sich mit Eifer und mit mehr oder weniger Feingefühl um den genius loci bemühen, handelt sowohl der Roman von Margarete Moses als auch der von Paul Pourtant. Margarete Moses, als jüdische Musikschriftstellerin wie als ausübende Pianistin bestens bekannt, läßt in ihrem lesenswerten Buche Gegensätze nicht allzusehr zu Konflikten ausarten, sie glättet gütig jede gefährliche Unebenheit und führt alles ohne großen Kampf zum Guten. Die Romanfabel diente ihr vor allem als Mantel, in den sie ihre guten Gedanken über Volk und Land, Liebe und Ehe in Palästina, Religion, Gebete und Sabbathruhe, Musik,' Gemeinschaftsleben und Einzelinteresse und andere Probleme des Jischuw hüllen konnte. Das ist ihr auf eine stilistisch schöne und anregende Weise gelungen. Auch durch den Roman von Pourtant weht der Atem von Erez Israel. Auch hier ringen Juden aus Deutschland mit dem Geist Altneulands. Vieles ist ausgezeichnet beobachtet, sowohl was das Land als auch was die Menschen betrifft. Dabei gibt's geistreiche Sentenzen in Fülle. Das Wort „denaturierte" deutsche Juden ist geradezu ein Schlager. Der Inhalt des Romans besteht im wesentlichen aus den Seelenkämpfen einer komplizierten Frau, die an einen unkompli- 267