Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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hat einigen tausend Menschen, denen das klassische Altertum etwas bedeutet, Belehrung, Genuß und sogar Freude geschenkt. Das ist gewiß nichts Geringes. Aber was wird bleiben? Wir haben keine Legitimation, Anwartschaften auf literarische Unsterblichkeit in Aussicht zu stellen oder zu bestreiten. Aber wenn wir hoffen könnten, daß Mainzer sich nun einmal von jenem Zeitabschnitt altrömischen Lebens etwa dem gleichen Zeitabschnitt der jüdischen Geschichte, vom Eintreffen des Pompejus; in Jerusalem an bis zu den letzten Römerkämpfen und dem Untergang des zweiten Tempels zuwendete, so; dürfte er bei seiner außerordentlichen Darstellungsgabe eines über durchschnittlichen literarischen Tagesruhm erheblich hinausgehenden Dankes der jüdischen Gemeinschaft gewiß sein. Und wir hätten für Junge und Alte endlich einmal etwas, was wir bisher schmerzlich entbehrten. Conrad Kaiser. Ernst Fürstentfiaf: Abraha Berlin 1936. Jüdische Buchvereinigung, Erläuterungen. Dieses Buch ist keine „wissenschaftliche Abhandlung in poetischer Form", sondern „der Niederschlag eines jüdischen Herzens, das zu der Seelenwelt der Väter herabstieg". Ein junger jüdischer Schriftsteller sucht nach den Quellen jüdischer Seelenhaltung. Woher nehmen die Juden die Kraft, in allem Elend an Gott zu glauben, woher jene Hartnäckigkeit, immer wieder zu hoffen, woher leben wir — und von welchem Grunde aus? Der Weg, den Edmond Fleg beschritten hat, um aus der Welt des Midrasch und der Agadah die ewigen Gestalten eines Moses und Salomo für uns Heutige neu erstehen zu lassen, weist auch Ernst Fürstenthal die Richtung seines Forscherls. Er versenkt sich in die Erzählungen der Bibel, in die Sprache ihrer Menschen, in ihre Sagen und Legenden. Denn aus der Zeit der Verheißung erwartet er eine Antwort für die Zeit der Verwirklichung. So lebt er die Tage der Urzeit nach, bis sich ihm aus der Fülle der Erscheinungen zwei überragende Gestalten herausheben: Nimrod und Abraham. Der eine groß als Despot, von seiner Umwelt gefürchtet, ein Sklave der Götter — der andere größer als Mensch, von seiner Umwelt geliebt, ein Freund seines Gottes. Beide sind ausgeprägte Individualitäten, zugleich aber auch Kronzeugen 211 Seiten Text, 30 Seiten Hinweise und ihrer eigenen Welt. Und diese Welten müssen zusammenstoßen, weil ihre Gegensätze zu wesentlich sind. Die neue Verkündigung kämpft in der Gestalt Abrahams gegen die versinkende Allmacht des babylonischen Gottmenschentums. Das ist die Zeit, in der Abraham den Weg der Erwählung geht. Hart sind die Jahre der Lehre in einem Beruf, der mehr von dem Menschen verlangt als irgendein anderer. Aber aus Niederbruch und Verzweiflung, aus Enttäuschung und Martyrium geht die Erkenntnis des göttlichen Willens nur strahlender und bewährter hervor. Langsam bilden sich die unvergänglichen Züge des Urahns heraus, der Gott bestätigt und in Seiner Welt wie zuhause ist. Was Abraham von der Stunde seiner Geburt an erlebt, selbst die geheimnisvollen Zeichen, die ihr vorausgehen, alles was die Sage in einzelnen Überlieferungen um ihn und seinen großen Gegner Nimrod gerankt und gedichtet hat, all das erfüllt sich in der verknüpfenden Darstellung Fürstenthals mit Leben. Mitunter sind wir gepackt von der blutvollen Wirklichkeit eines plastischen Bildes. Wir selbst sind Zeugen wunderbarer Ereignisse, der Fährnisse und Versuchungen, wir selbst unter der Menge, die den gewaltigen Scheiterhaufen für die Verbrennung Abrahams 266