Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Buchbesprechungen Ferdinand Mainzer: „Der Kampf um Casars Erbe" * Mit neun Bildtafeln. 327 Seiten. Verlag E. P. Thal, Leipzig-Wien. Der Verfasser hat die Freunde des klassischen Altertums schon wiederholt durch seine Gaben erfreut. Mit Vergnügen entsinnt man sich etwa der Abschnitte „Dionys" oder „Sicilien unter Verres" aus den „S i - c i Ii a n a (Aus griechisch-römischer Zeit)", vor allem aber des prächtigen Büchleins „C 1 o d i a — (Politik und Liebe auf dem Palatin)". . Damals behandelte er die Zeit der sterbenden römischen Republik, die politischen Verstrickungen des Pompejus, Cäsar, Cicero und ihr nicht minder bewegtes Privatleben, die Straßenkämpfe eines Clodius und Milo, den Dichter Catull und seine diversen Liebsten. Und das alles mit einer beschwingten Lebendigkeit sondergleichen, dabei aber auf so fester Grundlage, daß er auch bei Fachhistorikern und Philologen Gnade fand. Das neue Buch gestaltet die Zeit von Casars Ende bis zur Konsolidierung der Monarchie durch Augustus. Es gehört u. E. zu den klarsten und wuchtigsten Geschichtsdarstellungen, die wir über jene soviel beschriebene Epoche überhaupt besitzen. — Wenn wir dieses Buches hier gedenken, so veranlaßt uns hierzu nicht nur die Tatsache, daß der Autor, übrigens ein in Berlin lebender Frauenarzt, Jude ist, auch nicht etwa die gelegentliche Behandlung des Herodes und seiner Außenpolitik; nicht einmal überwiegend der Umstand, daß jene Epoche von so schwerwiegender Bedeutung für das spätere Schicksal des jüdischen Volkes gewesen ist. Mindestens ebenso wesentlich erscheint uns vielmehr, daß an diesem Buche einmal der gebildete Jude erkennen kann, was gewissen anderen jüdischen Schriftstellern des deutschen Sprachgebietes fehlte. Wir meinen jenen ganz bestimmten Typus, der gestern über Rembrandt oder über einen noch lebenden Monarchen, heute . über Bismarck, Lincoln, Schliemann u. a, m, umfangreiche Bücher zusammenschrieb, Kenntnisse mehr als billig durch Impressionen, Durchdringung des Stoffes und gediegene Darstellung durch psychologische Sauce ersetzend, und der es dann ausschließlich für antisemitisches Vorurteil hielt, wenn seine respektlosen literarischen Halbwahrheiten Ärger und Anstoß erregten. Mainzer ist kein Emil Ludwig. (Wir denken noch mit besonderem Verdruß an dessen ^meisterhaftes historisches Zeitgemälde" in seinem oberflächlichen und taktlosen Jesusbuch.) Bei Mainzer sieht man immer wieder, daß er wohl jahrzehntelang mit dem Stoff gerungen haben muß. Nun beherrscht er ihn bis ins letzte und macht ihn herrlich lebendig. Seine Darstellung der Tatsachen ist bei aller Farbigkeit zugleich zurückhaltend, bisweilen fast kühl, — erschütternd fortreißend und ruhig ordnend, ja manchmal scheinbar gemütlich plaudernd in einem. Seine Formulierungen wirken in ihrer ganz auf dem Sachlichen ruhenden Prägnanz wie metallisch gepanzert, fernab von der jüdischen Erbkrankheit der Freude am geistreichen Formulieren um seiner selbst willen. Wir werden oft von Bundesbrüdern gebeten, ihnen Bücher zu nennen, auch ohne speziellen jüdischen Inhalt, von denen „man wirklich etwas hat". Hier ist eines. Auch die Lektoren hebräischer Verlage seien auf F. Mainzers Bücher aufmerksam gemacht. Sie mögen prüfen, ob sich nicht eine vollständige oder teilweise Übertragung ins Hebräische lohnt. Ist über den Rahmen der Besprechung hinaus noch eine Bemerkung erlaubt? — Ferdinand Mainzer 265