Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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entwirren. Es kommt dabei zu einer eigenartigen und in dieser scharfen Form bisher kaum ausgesprochenen Differenzierung zwischen den politischen Bemühungen Londons, Delhis und Kairos, und vertritt die Auffassung, daß das Wechselspiel und das häufig so zufällig Wirkende in der englischen Politik auf die ganz verschiedenartigen Gedankengänge und Bemühungen, die den indischen „Political Service" und das „arabische Büro" in Kairo voneinander trennen, hier ihre Auswirkung finden. Im ganzen wird man dieses Buch nicht nur wegen seines Eingehens auf die politischen Probleme, sondern auch wegen seiner Auseinandersetzung mit der geistigen Struktur und Entwickelung des Islam und der in ihm vereinigten Strömungen besonders empfehlen dürfen. Auf einem Gebiet, das uns noch näher liegt, hat Michael A s s a f f mit einem Abriß über Geschichte und Herkunft, Politik und Religion, Wirtschaft und Gesellschaft, Kultur und Sitten der Araber in Palästina einen Beitrag für unser Wissen tun diese Materie geliefert, der insbesondere in hohem Maße geeignet ist, den deutschen Einwanderern, die mit den Problemen noch gänzlich unvertraut nach Palästina kommen, an die Hand zu gehen. (Michael A s s a f : „Araber in Palästina",^herausgegeben von der Hitachduth Olej Germania, Tel-Aviv, 1936.) Mit dieser zweiten Publikation — auch die erste, über die Unruhen in Palästina, ist an anderer Stelle dieses Heftes gewürdigt — wird die H. O. G. ihrem eigensten Aufgabengebiet, auch der geistigen Fürsorge der deutschen Alijah zu dienen, durchaus gerecht. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die soziale Schichtung der arabischen Bevölkerung Palästinas, ihre religiösen und politischen Organisationen, finden ebenso Behandlung, wie eine Uebersicht über den kulturellen Stand, die Art zu leben, zu bauen, gegeben wird. Das Problem der Frau im orientalischen Leben, die Sitte des Schleiers und des Harems und ihre allmähliche Zurückdrängung durch das Eindringen europäischer Anschauungen, sind lebendig dargestellt. Im politischen Teil sind die wichtigsten Urkunden, die unsere Beziehungen zum arabischen Volke verdeutlichen, im Wortlaut aufgenommen. Die Welt Vorder-Asiens, die die Nachbarwelt Palästinas ist, durchmißt gegenwärtig Entwickelungen, für die Europa Jahrhunderte gebraucht hat. Es ist dies die oft ausgesprochene und wichtigste Erklärung für die dem Fernstehenden lediglich chaotisch erscheinende Bewegung dieser Länder. Zionisten müssen verstehen, daß nur das Eindringen in ihre Probleme uns ermöglicht, unseren Platz in dieser Welt des Orients zu behaupten. Nicht, als ob wir Orientalen werden wollten. Es ist schwer, kulturpolitische Prognosen aufzustellen; wahrscheinlich wird unsere Aufgabe darin liegen, eine Synthese zu schaffen, die Europa nicht verneint und den Orient erfaßt, aber sich ihm nicht ganz ergibt. Die Kenntnis der Literatur, die wir auf diesem Gebiete hier angezeigt haben und mit deren Betrachtung wir fortfahren werden, kann, soweit überhaupt „Bücherweisheit" praktisch nutzbar gemacht zu werden vermag, bei dieser Aufgabe uns behilflich sein. Die Frage nach dem Sinn des Judentums Von Bbr. Max Nußbaum. I. Man kann auf dem Standpunkt stehen, daß die Existenz jedes gesunden Volkes in sich selbst gerechtfertigt ist, wie die Liebe und das Leben der Menschen schlechthin. Es gab auch eine Zeit, in der wir es assimilatorischen 262