Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Gibraltar hat und wer Suez hat, hat das Mittelmeer; wer in Jerusalem und Tel-Aviv Wirtschaft und Politik betreibt, muß damit rechnen, Wichtige Hinweise auf die Formen und Entwickelungen englischer Kolonialarbeit gibt ein weiteres Buch der gleichen Verlagsanstalt, die mit der Publikation dieser kurzen Darstellungen mit Erfolg die Hauptbrennpunkte politischen Geschehens uns nahezubringen sucht. Walter Pähl: „Afrika zwischen Schwarz und Weiß" (Verlag Wilhelm Goldmann, Leipzig, 1936), stellt in einem Exkurs über die neue politische Verwaltungspraxis, die sogenannte „I n d i r e c t r u 1 e", wie sie von Lord Lugard zuerst in Nigeria eingeführt wurde, die Methoden dar, nach denen in successiv ansteigender Form Justiz, Steuerwesen („native treasury") und andere Zweige der Landesverwaltung von der eingeborenen Bevölkerung und ihren Vertrauensmännern in eigene Regie, wenn auch unter Kontrolle der englischen Kolonisatoren, übernommen werden. Das geglückte Experiment, das, wenn nicht in allen, so doch in vielen englischen Kolonien nach und nach eingeführt wird, schafft heilsame Entlastung für die Spannung zwischen Fremden und Einheimischen. Das System wird ergänzt durch die Form, in der der Gouverneur der Kolonie seine Verwaltungsarbeit durch einen Vollzugsrat (Legislative Council) vorbereiten läßt. Man glaubt bei uns häufig, daß Maßnahmen der Palästina-Regierung ihrer eigenen schöpferischen Initiative entstammen. Weil das nicht der Fall ist und Schemata der allgemeinen Kolonialpolitik nur wenig abgeändert übernommen werden, erleben wir oft die tiefen Differenzen in Palästina mit seinem jüdischen, also europäischen Bevölkerungselement. Was uns besonders an der Darstellung fesselt, sind die Auffassungen, die der Autor zum Problem des Eindringens westeuropäischer Gedanken- und Lebensvorstellungen in den Kulturkreis des Negertums äußert: „Sie sind manchmal geradezu besessen von der Gier, alles Europäische zu assimilieren* In ihrer Sucht zur Nachahmung westlicher Lebensformen gehen einige soweit, daß sie sich ihrer schwarzen Hautfarbe zu schämen beginnen. Die soziale und religiöse Erbschaft ihres Stammes haben sie verloren. Der Weg zu der inneren Erwerbung des europäischen Erbes ist ihnen versperrt. Nun rumort es in ihrem Blut. Sie werden Wanderredner, Agitatoren, Revolutionäre, die die alten Häuptlinge verachten und ihre Kameraden zum Aufstand gegen die europäische Führung hetzen. Die europäische „Bildung" hat sie aus der Blutsgemeinschaft herausgerissen, die der Nährboden ihres Instinktes und ihres Geistes war. Die moralische Welt ihres Stammes diszipliniert sie nicht mehr. In dem fremdartigen Chaos der europäischen Geisteswelt vermögen sie sich nicht zurechtzufinden. Es ist unmöglich, sie in neue Gruppenbildungen außerhalb ihrer Stämme hineinzustellen, die ihrem Leben wieder haltbare Bindungen zu geben vermag. Das Ergebnis ist ein Zwittergebilde." — Von Negern, nicht von Juden, wird hier gesprochen! — In anderer Form wird Leben und Strukturwandel von Staaten, die mit Palästina und seiner arabischen Bevölkerung in enger Verbindung stehen, in zwei Büchern sichtbar, die die letzten Phasen nationaler Entwickelung am Lebensweg der in diesen Ländern herrschenden Fürsten darstellen: Ibn Saud von Arabien und Resa Schah von Persien. Herbert M e 1 z i g stellt in seinem Buch über „Resa Schah" (Herbert M e 1 z i g; Resa Schah, Der Aufstieg Irans und die Großmächte, Union, Deutsche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 1936) den Kampf vor allem Englands und Rußlands um die Vorherrschaft in Persien dar, der namentlich durch die Oelinteressen und englischerseits durch den Wunsch nach der Sicherung der indischen Grenze bestimmt wird. Inmitten dieser widerstreitenden und 260