Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Neue Orientbücher Von Bbr. Hans Klee, Es hat nicht der letzten schweren Monate in Palästina bedurft, um den Kreisen, die sich mit zionistischer Politik beschäftigen, Gewißheit darüber zu verschaffen, welch außerordentliche Bedeutung einer politischen Tätigkeit in den mohamedanischen und arabischen Ländern rings um Palästina zukommt, welcher Mangel in dem bisherigen Fehlen fast jeder solchen Arbeit liegt und wie stark die Zukunft Palästinas von den Zentren arabischer Staaten, Wirtschaft und Kultur her bestimmt wird. Die Aktion der arabischen drei Könige zugunsten der Araber Palästinas ist das erste sinnfällige und an die Außenwelt gerichtete Ergebnis dieser Einflußnahme, und wir werden in Zukunft sicherlich — damit soll gewiß keine Ueberschätzung der pan-islamischen Bewegung und ihrer Möglichkeiten ausgesprochen werden — mit diesem Faktor ausländischer Intervention zu rechnen haben. Palästinas Westen ist gegen die See gerichtet, und das Land steht so mit den politischen Kräften und Mächten des gesamten Mittelmeerraumes in engster Verbindung. Die beherrschende Stellung Englands an den beiden Pforten dieses Meeres, der künstlichen von Suez und der natürlichen von Gibraltar, beide gestützt durch das zentral gelegene Befestigungswerk in Malta, hat ihre Rückwirkung auf Palästina, seine Küste und seinen Haupt-Handels- und heute auch Kriegshafen Haifa. In unserem vorigen Heft haben wir (S. 203) eine instruktive Schrift über den Suez-Kanal angezeigt, der der gleiche Verfasser nunmehr eine Arbeit über Gibraltar folgen läßt. (Gerhard Hermann: „Gibraltar, die Pforte des Mittelmeers". Verlag Wilhelm Goldmann, Leipzig, 1936. Preis 1,50 RM.) Der Machtkampf, den England einst mit Spanien und Frankreich ausgefochten hat, und die Zähigkeit, mit der es diese Schlüsselstellung verteidigt hat, werden hier anschaulich. Die Meerenge, die in der Geschichte als eine der großen Wanderstraßen, auf der asiatisches Araber-, Berber- und Maurentum gegen Europa, und europäische Großmachtpolitik gegenüber Afrika und Asien vordrangen und sich durchzusetzen versuchten, hat ihre weit politische Bedeutung durch die Schaffung des Suez-Kanals und damit als Durchgangsstraße nicht nur zu den Mittelmeerländern hin, sondern bis nach Indien und dem fernen Osten erhalten. Sie bildet so eine der wichtigsten Machtstellungen des Empire. „Ein Ministerium von Verstand wird Gibraltar immer gebrauchen, um Frankreich von Frankreich zu sondern, Spanien von Spanien und die anderen Nationen voneinander. Die Festung Gibraltar gehört zu den wertvollsten Besitzungen Englands. Gibraltar gab uns Ansehen in den Augen der Nationen. Es manifestierte unsere Ueberlegenheit und ermöglichte, andere zu verpflichten, indem wir sie beschützen. Gebt Gibraltar an Spanien — und das Mittelmeer wird ein Teich, ein Teich, in dem sie nach Belieben Handel und Schifffahrt treiben können. Gebt Gibraltar her, und die Staaten Europas, die am Mittelmeer liegen, werden von Euch nicht länger die freie Schiffahrt in diesem Meer erwarten. Und indem ihr es nicht mehr in eurer Macht habt, nutzen zu können, könnt ihr keine Bündnisse mehr erwarten!" Vielleicht ist diese Rede des Premierministers Fox im englischen Parlament gegenüber einem Abgeordneten, der die Preisgabe des Platzes forderte, weil er mehr koste als seine Erhaltung wert sei, ein interessanter Fingerzeig für eine zukünftige englische Politik hinsichtlich der Stellung Englands in Palästina oder der Preisgabe dieser Stellung, wie sie mit ähnlichen Argumenten, wie damals im Falle Gibraltar von manchen englischen Politikern verfochten wird. Wer 259