Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Man kann die Geschichte auch in Dokumenten erfassen, wie uns das in einer kleinen Ausgabe neu aufgelegte Quellen buch zur jüdischen Geschichte und Literatur von Dr. Julius Höxter (J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M.) von neuem beweist. Wie notwendig ein derartiger Ueberblick gewesen ist, ging schon aus der guten Aufnahme hervor, die Höxters Quellenbuch in seiner bisherigen fünfbändigen Ausgabe gefunden hatte. Gedacht ist das vorliegende Buch in erster Linie, zum Gebrauch an jüdischen Schulen und soll, im Gegensatz zu der bereits vorliegenden Ausgabe, an jüdischen Volks- und Mittelschulen benutzt werden. Soweit die pädagogische Verwendung in Frage kommt, ist beim Erscheinen der fünf Bände von Höxter jeweils das Notwendige gesagt worden. Wir wollen daher jetzt die kleine Ausgabe nicht nur unter dem Aspekt der praktischen Verwendbarkeit besehen — die Verlebendigung und Modernisierung des jüdischen Geschichtsunterrichtes ist ja mittlerweise einen wesentlichen Schritt weiter gediehen —, sondern wir wollen den neuen Höxter als Handbuch betrachten, aus dem sich jeder Interessierte anhand der mitgeteilten Originaltexte und Aktenstücke ein Bild von der Vielseitigkeit jüdischer Geschichte und der Verschiedenartigkeit der einwirkenden und mitspielenden Faktoren machen kann. Ich weiß nicht, ob schon viele auf die Idee gekommen sind, das Quellenbuch einfach zu lesen; jedenfalls kann man es. Besondere Freude an einer derartigen Lektüre wird derjenige empfinden, der über den Verlauf der Geschichte bereits informiert ist und so eine wahre Illustration aus Quellen erhält, die ihm ohne das Quellenbuch von Höxter vielleicht gar nicht zugänglich wären. Was für die Schüler gelten soll, muß für jeden Erwachsenen gelten, der zurückkehrt zu der Kenntnis unseres Seins und Gewordenseins; auch an ihn wendet sich diese schöne Zusammenstellung, die ihre Aufgabe darin sieht, jeden Lernenden jüdische Geschichte in Geist und Gemüt erleben und jede Erscheinung aus ihrer Zeit heraus verstehen zu lassen. Es sind manche Abschnitte etwas zu kurz gekommen, das Mittelalter würde einige Ergänzungen vertragen, und das Verständnis unserer Gegenwart dürfte etwas reicher unterbaut sein. Aber gerade dieser Wunsch beweist nur von neuem, wie groß die Fundgrube unserer Geschichte ist, und wir müssen Höxter dankbar sein, daß er sie uns in ihrer Vielseitigkeit nach Zeiten, Ländern und Gebieten geordneten, so näherzubringen versteht. Noch plastischer stellt Julius Höxter den gleichen Gegenstand dar in dem Tabellenwerk Jüdische Geschichte und Literatur in vergleichenden Zeittafeln (J. Kauffmann Verlag Frankfurt a. M.). Eine lebhaft empfundene Lücke wird mit diesem interessanten Versuch ausgefüllt. Alles ist auf Kürze und Prägnanz eingestellt, aber doch kommen die Fakten der jüdischen Geschichte und die zur Orientierung und Ergänzung mitgeteilten Tatsachen aus der allgemeinen Geschichte genügend zur Geltung. Eine stichwortartige Behandlung konnte offenbar gerade bei den vergleichenden Daten nicht umgangen werden, so daß der wahre Genuß dem vorbehalten bleibt, der sich unter einem Papst- oder Herrschernamen, bei dem weiter nichts angegeben ist, das für die Zeit und für uns Wesentliche dazudenken kann. Die Zeittafeln sind für einen ersten Ueberblick außerordentlich gut anwendbar, denn die übersichtlichen Tafeln gestatten sofort einen klaren Einblick in die großen Zusammenhänge unserer Volksgeschichte. Sie lassen die Wanderung des jüdischen Volkes durch die Jahrtausende im Rahmen der gesamtmenschlichen Entwicklung erkennen, mehren und vertiefen das Verständnis für die Vergangenheit und wecken die Sehnsucht nach weiterer Beschäftigung mit dem hier besonders schön angeordneten Stoff. 258