Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2) Perioden des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit von Juden und Arabern. 3) Hiermit kehre ich zu meinem Ausgangspunkt und zu Weiner zurück: Jüdische Geistesgeschichte. Mehr denn je ist es in unserer Zeit notwendig, daß Juden wesentliche geistige Kämpfe und die wesentlichen Punkte der geistigen Entwicklung ihres Volkes kennen und bewahren und hiermit die wesensgemäße Entwicklung der jüdischen Geschichte in der Zukunft nicht nur in geistiger, sondern auch in tatsächlicher Hinsicht vorbereiten. Unsere Geschichte in kurzen Zügen Von Bbr. Lothar Rothschild - Saarbrücken. Das Bedürfnis, unsere Vergangenheit zu kennen, breitet sich immer weiter aus. Der Kreis der Menschen, die fühlen, daß historisches Denken mehr ist als eine phrasenhafte Forderung, weitet sich von Tag zu Tag, und das Bewußtsein, daß die Verbindung mit dem Gewesenen die Gegenwart leichter erträglich macht und ein geistiges Ventil darstellt gegen Mißmut und Resignation, gehört wohl zu den heilsamsten Erkenntnissen, die unsere Gegenwart gebracht hat. Wir haben oft festgestellt, daß die Versenkung in die Vergangenheit uns die Wellenlinie jüdischen Geschichtsablaufes in seiner Erfülltheit als sinnbelastete Aufgabe erkennen läßt und manchen Zweifel löst, an dem eine Gegenwart, die zu rasch von der ahnungslosen Peripheriestellung in ein Zentrum hineingeworfen wurde, leicht hätte zerbrechen können. Diese Sehnsucht datiert nicht von gestern. Allerdings ist das Vorgestern, dem sie entspringt, auch noch nicht sehr lange her. Die großen Geschichtswerke haben nicht allzu weit in die breiten Massen unseres Volkes hineingewirkt, höchstens daß durch das Wachwerden zionistischen Geschichtsbewußtseins und der damit verbundenen Rückkehr zur Erkenntnis des Judenschicksals unabhängig von äußeren Faktoren des Wohlstandsvolumens, das uns so gröblich täuschen kann, die „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" von Dubnow einen über die historische Zunft hinausreichenden Leserkreis gefunden hat. Einem „Bedürfnis" des großen Leserkreises kam die „Weltgeschichte" bei ihrem Erscheinen nicht nach, nur die Fachwelt hatte nach der bisher dominierenden Darstellung von Graetz eine Geschichte ersehnt, in der die neuen Errungenschaften wirtschaftgeschichtlichen und soziologischen Denkens gebührend berücksichtigt werden sollten. Für den breiten Leserkreis waren dann mehr die einbändigen Geschichtsdarstellungen berechnet, die kurz und bündig über den Stoff orientierten. Die Bändchen, die vor mir liegen, orientieren noch kürzer und einprägsamer, dafür nicht weniger instruktiv. An erster Stelle sei genannt: Emil Bernhard Cohn, Die jüdische Geschichte (Jüdische Buchvereinigung Berlin 1936). Das wirklich geschickt angelegte Bändchen führt auf 100 Seiten durch vier Jahrtausende, und trotz der Kürze lernt jeder, der sich mit dem Büchlein beschäftigt, den Rhythmus kennen, der dem jüdischen Geschichtsablauf zugrunde liegt und erfaßt — das ist wohl vor allem wichtig — die Kräfte, die jüdisches Geschehen gestalten, das dadurch mehr ist als ein System von Zahlen oder eine Summe von Daten. In klarer Linie rollt das Geschichtsbild vor uns ab. Wir müssen die Lektüre 256