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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 41

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Jüdische Geschichte Von Bbr. Jean Sch rameck. Der Aufsatz von Bbr. Weiner-Londen im Heft 6/7 ruft zu einigen zusätzlichen Bemerkungen auf. I. Seine Formulierung wirkt leicht mißverständlich, ähnlich wie Achad Haams „geistiges Zentrum" vielfach mißverstanden wurde. Ich nehme an, daß Weiner von dem ihm Wesentlichen spricht, wenn er jüdische Geistes geschichte in den Mittelpunkt stellt, selbstredend aber auch eine ausführliche Behandlung der historischen Tatsachen der politischen, wirtschaftlichen, soziologischen usw. jüdischen Geschichte verlangt. II. Das jüdische Mittelalter (70—1791) ist gekennzeichnet durch: 1) — wechselnde — jüdische Zentren in der Galuth, 2) den für Juden und Nichtjuden unzweifelhaften Charakter der Juden als eigene Nation und, als Folge, oft weitgehende Selbstverwaltung, 3) produktive Leistungen der Juden in Wissenschaft, Wirtschaft und in jüdischen Gebieten, im Gegensatz zu der früher auf der Schule gelehrten reinen Martyrologie. Aber um diese Verlegung der Zentren zu verstehen (Babylonien, Spanien, Polen usw.) ist es unbedingt erforderlich, die — auch für das Verständnis der neueren Zeit wesentlichen — wirtschaftlichen Gründe zu kennen, die die allmähliche Verlegung der jüdischen Zentren hervorriefen. Es ist nicht umsonst, daß im zwölften Jahrhundert, eine andere Großstadt die Stadt Straßburg bittet, ihr einige Juden zu überlassen, weil sie wisse, daß dies zur Bereicherung und Entwicklung der Stadt beitrage, während bereits zwei Jahrhunderte später Straßburg seine Juden in der jetzigen Brandgasse verbrennt, jetzt aber der König von Polen Juden aus Deutschland aufnimmt und zwar aus Gründen ganz ähnlich denen, die zwei Jahrhunderte früher für jene Großstadt maßgebend gewesen waren. III. Drei Gebiete jüdischer Geschichte verdienen, abgesehen von den traditionell bei uns ausführlich behandelten, eine gründlichere Behandlung, und* zwar auch in den Kreisen der Jugend, insbesondere bei Kursen, die Bbr. Bbr. in Jugendorganisationen geben: 1) Während wir im allgemeinen sehr ausführlich die Geschichte des Westjudentums der letzten 150 Jahre zu behandeln pflegten, habe ich die Erfahrung gemacht, wie viel neue Kenntnisse und jüdische Bereicherung dem Kursleiter und den Zuhörern durch einen Kurs über Geschichte des Ostjudentums seit dem Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts vermittelt wird. Die am leichtesten zugängliche Quelle, die sehr viel Material gibt, ist Dubnow in den drei letzten Bänden seiner Weltgeschichte des jüdischen Volkes; der flache Rationalismus, der (ebenso wie in seinen materialreichen, aber ohne Wärme und tieferes Verständnis geschriebenen zwei Bänden „Geschichte des Chassidismus") bei Behandlung des Chassidismus in der „Weltgeschichte" oft störend wirkt, spielt ja bei der Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts eine geringere Rolle und ist entsprechend vom Kursleiter zu berichtigen. Es empfiehlt sich, insbesondere bei Selbststudium, nicht der periodenweise Einteilung Dubnows zu folgen, sondern die Geschichte der Juden in jedem Lande durch die ganze Zeitperiode hindurch in einem Zug zu verfolgen. 255

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