Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus jener Zeit haben sich manche Gedichte und Lieder chinesischer Dichter erhalten, in denen die Entstehung der Welt als Schöpfung eines einzigen, allmächtigen Gottes beschrieben ist, und die deutlich den Einfluß der jüdischen Lehre zeigen. Der praktischen Ethik des Konfuzianismus und der lebensverneinenden Grundidee des Buddhismus sind solche Vorstellungen völlig fremd. In der zeitgenössischen Prosaliteratur finden sich oft Anspielungen auf die Juden. Es wird erwähnt, daß sie an einen einzigen, persönlichen Gott glauben, und daß ihre Religion völlig bildlos sei. Sie sollen über geheime Zauberkräfte verfügen und auf ein Paradies hoffen, eine Vorstellung vom jenseitigen Leben, die absolut verschieden von der herrschenden religiösen Ansicht ist. Sie werden „Ch'ieh" genannt und beschrieben als Menschen mit großen gebogenen Nasen, mandelförmigen Augen und braunem oder schwarzem Haar. Aber die Erschütterungen, die dann über das Land hereinbrachen, änderten die günstige Lage der Fremden in China völlig. Die Zentralregierung verlor allmählich die Macht und Kontrolle über die militärischen Leiter in den verschiedenen Teilen des riesigen Reiches. Bürgerkriege zersplitterten das Land. Aufstände und Revolutionen entstanden allerorts und trugen vielfach ausgesprochen fremdenfeindlichen Charakter. So zog am Ende des 7. Jahrhunderts der Rebellenführer Huang Tschan mit einem großen Heere von Mittelchina mordend und sengend nach dem Süden mit dem Ziel, die große und blühende Handelsstadt Canton zu erobern. Außer den Juden gab es dort sehr viele Araber und Inder. Die Anführer eroberten die Stadt und töteten alle Fremden, wobei allein 40 000 Juden ums Leben gekommen sein sollen. Im Beginn des 8. Jahrhunderts kam es infolge von Hungersnöten und Seuchen zu einer weitgehenden Entvölkerung des chinesischen Reiches. In deren Folge verschwanden die Fremden mehr und mehr. Was überhaupt von Juden damals noch am Leben blieb, ging spurlos in der chinesischen Bevölkerung unter. 500 Jahre später, während der Mongolendynastie, kam es wiederum zu einer Einwanderung von Juden nach China. Im 13. Jahrhundert unterwarf der Mongolenkaiser Genghis Khan das damals schwache China. Von dort aus machte er seine berühmten Eroberungszüge nach dem Westen, die ihn bis nach Europa führten. Eine wichtige Folge dieser Feldzüge war, daß hierdurch gut organisierte Handelswege nach dem Westen geschaffen wurden. Wiederum kamen, wie bei der ersten Einwanderung, viele Juden ins Land, vor allem zunächst als Händler und Kaufleute. Der Enkel Genghis Khans, Kublai Khan, begünstigte geradezu die Einwanderung von Juden, da er ihnen größeres Vertrauen schenkte als den Eingesessenen, für die ja die Regierung der Mongolen eine verhaßte Fremdherrschaft war. Von einer großen Anleihe, die Juden der Regierung machten, wird berichtet, ähnlich wie dies im 19. Jahrhundert durch die Rothschilds in Europa der Fall war. Das gesamte Steuerwesen wurde von Juden um- und aufgebaut. Juden hatten das Monopol der Pferdebelieferung an die kaiserliche Post, und Juden organisierten den Gütertransport von Nordnach Südchina, entlang dem großen Kanal. Durch einen besonderen kaiserlichen Erlaß wurde bestimmt, daß jüdische Schiffe diesen Kanal jederzeit nach Belieben benutzen durften. Die Zeit der Mongolenkaiser war in kultureller Beziehung nicht sehr bedeutend — mit Ausnahme des Schauspiels, das damals seinen Höhepunkt erreichte. In vielen Komödien jener Zeit finden sich satirische Anspielungen auf die Juden. 253