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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 37

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Maße geben, — mit Hilfe des jüdischen Kaufgeldes im arabischen Kanton ansiedeln. In diesem Zusammenhang sei nur an die segensreichen Folgen der griechisch - türkischen Umsiedlung unter der Leitung des Völkerbundes erinnert. Danach ergeben sich die Grenzen des arabischen Kantons: Er wird das umfassen müssen, was die Ernährung der arabischen Bevölkerung erfordert. Denn der Rest muß der jüdischen Kolonisation vorbehalten bleiben. Daß eine solche Regelung auch Transjordanien umfassen müßte, dessen Abtrennung nur den Sinn einer Beruhigung für die Araber gehabt haben kann, die ja nun anders, durch den arabischen Kanton bewirkt werden soll, daß auch dort der freie Raum dem jüdischen Volk offen stehen muß, versteht sich von selbst. — Die Aufgabe einer ständigen Kommission, die aus Sachverständigen der Mandatarmacht, der Völker der Welt, die England das Mandat gaben und die am Ueberfluß der Juden leiden, der Juden und der Araber bestehen sollte, wäre es, die Grenzen dieses Kantons zu entwickeln. Zu entwickeln: d. h. daß endgültige Grenzen heute nicht gezogen werden können. Nur von gewissen Gebieten, etwa dem Emek und Scharon einerseits oder dem Bergland um Nablus andererseits kann heute schon festgestellt werden, daß sie zum jüdischen oder zum arabischen Kanton gehören sollen, über andere muß die Zukunft, nämlich die Entwicklung der Produktivkräfte, gerade auch des arabischen Kantons, auch die Gestaltung der jüdisch-arabischen Beziehungen entscheiden. Auch die Entwicklung der gemischten Städte und derer mit großem religiösem Interesse wird nur mit viel Vorsicht und Takt allmählich geklärt werden können. Der ganze Weg wird nach englischem System zurückgelegt werden müssen — einem sehr realpolitischen System, — sehr langsam, Schritt für Schritt. Von der Entwicklung munizipaler Selbstverwaltung, yon kleinen Kantonen, gewissermaßen Zellen zu den Kantonen, mag er ausgehen — das alles sind politische Spezialfragen, die in Verhandlungen mit den Engländern behandelt werden müssen, und die sich nur in der organischen Entwicklung der Realität und durch sie klären lassen. Die Realität kann und darf nicht vergewaltigt werden — aber die Richtung der Entwicklung Palästinas einschließlich Transjordaniens sollte klar sein: auf einen Staat zweier Kantone, einen für die größtmögliche Zahl der Juden der Welt und einen für die Araber Palästinas. Diese Richtung kann mit unserem Willen, nach unseren Bedürfnissen und Plänen, zu unserem Segen eingeschlagen werden, sie kann aber auch gegen unseren Widerstand, zu unserem Unheil verfolgt werden. Der Verzicht auf die Chance, vielleicht einmal auch in das Bergland von Nablus und Hebron einzudringen, — denn dies würde wohl das natürliche Gebiet des arabischen Kantons sein, — wird also ^aus zwei Gründen vorgeschlagen: 1. um eine Basis für eine gesicherte Kooperation mit England zu schaffen und schlimmere Lösungen zu vermeiden; 2. um im Emek und Scharon, in Judaea und im Negew und im Galil schnell geschlossene jüdische Siedlungsgebiete schaffen zu können, deren Schaffung auf dem bisherigen Wege, nach den bisherigen Erfahrungen überhaupt nicht als gesichert erscheint, — Bei beiden handelt es sich um die notwendigen nächsten Schritte. Scheitert der Plan am Widerstand der Araber, so tragen nicht wir die Schuld daran, und unsere politische Situation ist durch den Erweis unserer Bereitschaft zu Zugeständnis und Kooperation wesentlich gebessert. Die Mandatsregierung sollte sich aber doch die Antwort der verhetzten Araber, die im gegenwärtigen Moment wohl jeden positiven Vorschlag ablehnen werden, nicht beirren lassen. Allmählich würde die Entwicklung des arabi- 251

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