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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 36

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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hing der jüdischen Autonomie in ländlichen Gebieten, die uns z. B. das Recht geben würde, die Arbeitsbeziehungen nach unserem Beschluß zu regeln (Mindestlöhne, Versicherungen), würde das Problem der jüdischen Arbeit lösen und damit den vorwiegend jüdischen Charakter des Scharon und Judaeas herstellen. Der jüdische Kanton könnte bei einer gewissen Steuersouveränität jüdische Beamte und Polizisten gerecht entlohnen. Das Recht, eine Bodenwertzuwachssteuer zu erheben, würde das größte Hindernis unserer Kolonisation, die Bodenspekulation vernichten. Den nationalen Fonds könnten neue Mittel zugeführt werden. Ein Kolonisations-Departement der Regierung könnte die jüdische Siedlung im jüdischen, die arabische im arabischen Kanton fördern. Alles dieses müßte erreichbar sein, wenn einmal die Konzeption des Kantons zur Richtschnur der Politik der Mandatsregierung gemacht würde. Wir werden aber diesen jüdischen Kanton nicht umsonst, nicht ohne einen Verzicht auch von unserer Seite erhalten. Dieser wird eben der arabische Kanton sein müssen. Ist ein solcher Verzicht von unserer Seite möglich? Das Ziel des Zionismus ist, wie oben gesagt, einer größtmöglichen Zahl von Juden zu einer nationalen Heimat in Palästina oder in territorialer Verbindung mit ihm zu verhelfen. Und der Begriff „nationale Heimat" ist so zu formulieren wie Arlosoroff den Zionismus formulierte (a.a.O.): ,,Der Zionismus strebt danach, dem jüdischen Volk das Recht nationaler Selbstbestimmung zu sichern. Zu diesem Zweck erstrebt er innerhalb gewisser territorialer Grenzen, innerhalb Palästinas, solche Bedingungen, die den Juden die Verwirklichung ihres Rechts auf nationale Selbstbestimmung ermöglichen." Die 2. Forderung ist gewiß mit der Existenz eines arabischen Kantons in Einklang zu bringen. Aber auch die erste? Die Ansiedlung der* größtmöglichen Zahl von Juden? Auch sie ist mit der Schaffung eines arabischen Kantons vereinbar. Die Existenz der gegenwärtigen arabischen Einwohner Palästinas und ihrer Nachkommen in Palästina ist vom Zionismus oftmals als Tatsache anerkannt worden, die wir nicht zu ändern wünschen. Wir haben auf dem 12. Kongreß unseren Willen ausgedrückt, ,,im Bunde mit dem arabischen Volk die gemeinsame Wohnstätte zu einem blühenden Gemeinwesen zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert". Wir haben im Churchill-Statement unterschrieben, daß Palästnia nicht so jüdisch sein wird wie England englisch ist; und wir haben auf dem 17, Kongreß feierlich erklärt, daß wir weder die Araber beherrschen, noch von ihnen beherrscht sein wollen. Die Frage bleibt also nur, ob es uns zweckmäßiger erscheint, daß diese Araber Palästinas im ganzen Lande zerstreut überall Enklaven in unserem Siedlungsgebiet oder gemischte Siedlungen oder gar unsere Landbevölkerung, unsere Nahrungsmittelproduzenten bilden sollen, oder ob sie in einem Kanton weitgehend konzentriert werden sollen. Ob wegen des nationalen Gegensatzes nirgends wir und nirgends sie autonom ihre und unsere Angelegenheiten bestimmen sollen oder in unserem Kanton wir, in ihrem sie. Konzentration soll also natürlich nicht heißen, daß es nicht auch arabische Minderheiten im jüdischen und jüdische im arabischen Kanton geben kann, — sie sollen im Gegenteil in voller bürgerlicher Gleichberechtigung und mit den kulturellen Rechten nationaler Minderheiten dort leben, — nur die nationalen Rechte des Staatsvolkes sollen ihnen vorbehalten bleiben und die Reibungsflächen nach Möglichkeit verringert werden. Eine Regierungspolitik, die sich diese Regelung zum Ziele setzte, würde die jüdische Kolonisation — im Einklang mit dem Mandat — im jüdischen Kanton mit allen Mitteln fördern und würde die dabei landlos werdenden Araber, — bei konzentrierter jüdischer Siedlung und freiem Bodenkauf müßte es diese Erscheinung natürlich in gewissem 250

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