Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2827066-3186705-3186710--1369-3187440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

könnte. Selbst das Emek ist es noch nicht, der Scharon ist es nicht, und Tel-Aviv ist es kaum. Die gegenwärtigen Ereignise werfen aber ein neues Licht auf diesen Zustand. Es zeigt sich nämlich, daß die Realität drauf und dran ist, sich in der Richtung auf solche Wirtschafts- und Siedlungsgebiete zu entwickeln, daß gerade der Zionismus dies leidenschaftlich fordern muß und fordert, weil ihm gar kein anderer Weg zu einer gesicherten Zukunft offen steht. Wir fordern den Hafen Tel-Aviv nicht, um uns an Jaffa zu rächen, und nicht nur, weil der großen jüdischen Stadt und dem Jischuw überhaupt an sich das Recht auf einen solchen, auf Beschäftigung ihrer Menschen bei den Hafenärbeiten, zusteht, sondern auch, weil wir ihn brauchen, wenn wir vor plötzlicher Stillegung unserer Wirtschaft sicher sein wollen. Wir brauchen die eigenen Verwaltungsinstitutionen in Tel-Aviv, in Nathan)ah, in Rechöboth und Affühle, um nicht die Fahrt nach Jaffa, Tul-Karem, Gaza und Nazareth antreten zu müssen, die ja zuzeiten lebensgefährlich ist. Wir brauchen ebenso die Chaussee, die nur über jüdisches Gebiet führt und von jüdischer Polizei bewacht wird. Wir brauchen das jüdische Gemüse und Obst, wenn wir nicht der Willkür politischer Feinde unsere Ernährung ausgeliefert sein lassen, zuweilen Gemüse und Obst überhaupt entbehren wollen. Und wir brauchen den jüdischen Arbeiter und Wächter auf dem jüdischen Feld und im jüdischen Pardess, um sie vor Brandstiftung oder Ausrodung zu schützen. Alles in allem: Wir brauchen das geschlossene, sich selbst versorgende, jüdische Siedlungsgebiet. Und in der Tat gehen alle Bestrebungen der Leitung des Zionismus und des Jischuw seit der Rede Ben Gurions am Grabe der ersten Opfer dieses Aufstandes von der Notwendigkeit der Schaffung des geschlossenen jüdischen Wirtschafts- und Siedlungsgebiets aus. Es handelt sich hier nicht um einen 49. oder 50. Schritt, um eine ferne künftige Konstitution Palästinas, sondern es geht um die allernächsten Schritte, unsere und die der Mandatsregierung, ja um die Revision von Schritten, die bisher fälschlicherweise gegangen wurden. Die Politik der Palästina-Regierung jagte dem Wunschbild einer „palästinensischen Nation" nach, strebte nach einer Amalgamisierung der beiden Völker. Diese Politik ist gescheitert. „Great Britain and the East" schrieb, daß man die Hoffnung, auf eine Verständigung der beiden Völker aufgeben müsse. Aber diese Meinung, die heute in England sehr verbreitet ist, bildet für uns eine gar nicht zu überschätzende Gefahr. Die Grenzen, bis zu denen England mit uns kooperieren kann und wird, hat Erich Cohn in Nr. 53 der J. R. vom 3. 7. 36 überzeugend dargestellt. Durch günstige Parlamentsdebatten dürfen wir uns den Blick für den ganzen Ernst unserer politischen Situation nicht verschließen lassen. Im Colonial Office herrscht nach wie vor der Wille, die Araber auf irgendeine Weise zu beruhigen, mit Englands Herrschaft und dem jüdischen Nationalheim, — das freilich gleichfalls aus tausendfach geschilderten Gründen im britischen Empire-Interesse liegt, — auszusöhnen, um nicht den Widerstand und die Empörung der weiten arabischen und moslemischen Welt gegen England hervorzurufen. Das Coionial-Office hat in den letzten Jahren viele Pläne vorbereitet, die die Araber beruhigen und ihnen helfen sollten. Einmal waren es Bodengesetze, ein andermal eine Einkommensteuer, zuletzt der Legislative Council — jedesmal haben wir uns diesen Plänen widersetzt. Dieses System kann nicht unbegrenzt fortgesetzt werden. Abgesehen davon, daß dieser Widerstand, dieser rein negative, defensive, politische Kampf jedesmal fast alle unsere führenden Kräfte absorbiert, die besser für einen positiven Zweck, für unsere Kolonisationsoffensive eingesetzt werden sollten, abgesehen davon 248

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.