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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 33

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Deklaration und Mandat gegeben haben, dürfen von Zionisten nicht freiwillig in irgend einem Punkte aufgegeben werden, auch nicht zugunsten eines Zieles, von dem wir dem Autor gern zugeben, daß es eines der dringendsten und schwierigsten ist- Wahrscheinlich ist der rechte Zeitpunkt für seine Lösung noch nicht gekommen, Der teilweise Verzicht auf zionistische Möglichkeiten und jüdische Entfaltung in Palästina, wie ihn das Kantonalsystem bringen würde, ist jedenfalls die Lösung nicht. In der politischen Oeffentlichkeit Englands, die sich mit der Zukunft Palästinas beschäftigt, ist in letzter Zeit immer häufiger der Gedanke einer „Kantonalisierung Palästinas" wiedergekehrt, Die Vorstellung seiner Verfechter in allen ihren Varianten ist die, daß in einem Teil Palästinas die Juden, in einem anderen die Araber der bestimmende, mehrheitsbildende Teil der Bevölkerung sein sollen. Diese Regelung, so argumentiert man, werde den Arabern wie den Juden die Erfüllung ihrer nationalen Wünsche geben und die Furcht vor Majorisierung und Unfreiheit nehmen. Man hat auf zionistischer Seite über diesen Vorschlag offenbar nicht diskutieren wollen. Die zwei wesentlichen Gründe dafür sind klar: 1. hat die zion. Politik mit Recht eine große Abneigung gegen jederlei Endziel- Deklarationen. Arlosoroff hat dies oftmals und auch in seinem Aufsatz über das „Siebente Dominion" (Ges. Schriften, Bd. I [hebr.]), der hier überhaupt als Vorbild der Betrachtung dient, erklärt: Dem Juden ist die Neigung eigen, sich mehr als genug für den 49. und 50. Schritt zu interessieren, den er tun wird, wenn die ganze politische Entwicklung den Gang weitergehen wird, den sie jetzt geht. Aber seine Pflicht ist es, in erster Linie sich für den nächsten und dann den zweiten und den dritten Schritt zu interessieren, damit er überhaupt zum 49. und 50. gelangen kann. Die Endziel-Debatten lenken nur vom Wesentlichen, von der realen Arbeit ab, trennen die Geister und bewirken nichts als Unfrieden und Uneinigkeit in unseren Reihen. Politische Regelungen richten sich nach der Realität der Dinge, die ihnen zugrunde liegen, und nicht umgekehrt. Und wenn es zuweilen in der Geschichte geschieht, daß politische Regelungen, denen irgendwo die Realität entspricht, auf andere Gebiete übertragen werden, in denen dies nicht der Fall ist, so empören sich eines Tages die realen Dinge, und die politischen Regelungen müssen geändert werden. Die Geschichte der letzten 17 Jahre gibt unzählige Beweise für diese Tatsache. Die zionistische Politik hält sich der Gefahr des Deklarationismus, der billigen Berauschung an großen Formen bewußt fern und leistet Tages-Arbeit, um die Realität für „End"-regelungen (endgültig ist nichts in der Geschichte) zu schaffen. Und indem sie dies tut, weiß sie, daß diese umso besser sein werden, je später sie getroffen werden, d. h. je mehr wir bis dahin die Realität nach unserem Willen geformt haben, — Und zweitens ist das Ziel des Zionismus unserer Tage, angesichts des wilden Ausbruchs der Judennot: einer größtmöglichen Zahl von Juden zu einer nationalen Heimat in Palästina oder in territorialer Verbindung mit ihm zu verhelfen. Jeder unnötige Verzicht auf eine solche Möglichkeit wäre eine Abweichung vom Zionismus. Und darum scheut man sich, irgendeinem Kanton in Palästina zuzustimmen, der uns verschlossen werden könnte. Entspricht der Plan der Kantonalisierung Palästinas seiner heutigen Realie tät? Mit Schmerz muß konstatiert werden, daß dies nicht der Fall ist. Und zwar nicht deshalb, weil es an arabischen Gebieten fehlt, die den Juden bis heute in Wirklichkeit verschlossen sind, sondern weil es nach über 50 Jahren jüdischer und fast 30 Jahren zionistischer Kolonisation kein geschlossenes jüdisches Kolonisationsgebiet gibt, das sofort einen jüdischen Kanton bilden 247

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