Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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nur kurz einige Bemerkungen zu einer Reihe pädagogischer Fragen gemacht werden, die nicht unmittelbar mit dem Inhalt der zu vermittelnden geistigen Bildungsgüter zu tun haben. Da es sich nach meiner Auffassung um Fragen elementarer Art handelt, die jedem Zionisten eine Selbstverständlichkeit sein müßten, sollen sie hier kurz in Form von Leitsätzen zusammengefaßt werden. 1) Jeder Zionist ist verpflichtet, seine Kinder in eine jüdische Schule zu schicken, und muß bereit sein, dafür Opfer an Geld und Zeit zu bringen.- 2) Die Einschulung in die jüdische Schule soll im ersten Schuljahr erfolgen, da die Grundschuljahre sehr wichtig für die jüdische Entwicklung eines Kindes sind. Gerade in diesen Jahren erfassen Kinder die jüdischen Dinge erlebnismäßig am tiefsten. 3) Die veränderte jüdische Situation fordert von den Eltern auch in bezug auf die Wahl der Schulform ein verantwortungsbewußtes Eingehen auf die wirklichen Lebensverhältnisse und Zukunftsmöglichkeiten der Jugend. 4) Die Notwendigkeit und der Wille zur beruflichen Umschichtung, zur Verwurzelung in Landwirtschaft und Handwerk, besonders in Hinsicht auf den Aufbau Palästinas, fordern von der Schule nicht nur Uebermittlung von intellektuellem Wissen; darüber hinaus muß die Schule die Aufgabe übernehmen, Kinder und Jugendliche den Wert körperlicher und praktischer Arbeit erkennen zu lassen und in ihnen die Bereitschaft zu wecken, selbst»ein solches Leben der Arbeit zu führen. 5) Diesem Erziehungsziel wird in erster Linie die jüdische Volksschule gerecht, die, Wissensübermittlung mit Erziehung zu praktischer Arbeit verbindend, dadurch für die große Mehrzahl der jüdischen Jugend die erstrebenswerte Bildungsstätte wird. 6) Die höhere Schule soll daher denjenigen Kindern vorbehalten sein, deren überdurchschnittliche intellektuelle Begabung eine weitergehende, abgeschlossenere geistige Bildung fordert. Es kommt daher nicht mehr darauf an, festhaltend an alten Traditionen, für alle Kinder sozial besser gestellter Schichten die höhere Schule als die ihnen einzig gemäße Bildungsstätte anzusehen. (Gerade an diesem Punkte muß auch an Zionisten der Ruf ergehen, endlich Ernst zu machen und nicht in völliger Inkonsequenz jeden Weg zu suchen, dem eigenen Kinde möglichst eine höhere Bildung zu geben und damit einem Fehler zu verfallen, den gerade der Zionismus als ein besonderes Uebel vergangener Jahre jüdischer Entwicklung gebrandmarkt hat.) In der Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat sich die Zionistische Bewegung in Berlin schon vor vielen Jahren durch den Jüdischen Schulverein eine Schule — unsere Theodor-Herzl-Schule — geschaffen, die, von zionistischem Geist durchdrungen, bestrebt ist, lebendiges jüdisches Wissen und die grundlegenden Elemente der allgemeinen Kulturgüter mit freudiger Bejahung eines Lebens der körperlichen und praktischen Arbeit zu verbinden. Die zionistische Bewegung im Osten hat sich seit langem ein eigenes, zionistisches Schulwerk geschaffen, das unter schwersten materiellen Opfern bis heute aufrechterhalten worden ist. Wenn der deutsche Zionismus das nicht getan hat, so einmal deswegen, weil er es bei der im Verhältnis zum Osten stärkeren Zentralisation des jüdischen Lebens in Deutschland stets als seine Aufgabe angesehen hatte, nicht so sehr durch Sonderbestrebungen als vielmehr durch Umwandlungen der zentralen Institutionen sein Ziel zu erreichen. Andrerseits aber ist das kulturelle Leben des deutschen Zionismus niemals sehr produktiv gewesen. Wie in den Fragen der jüdischen Bildung 245