Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Unterordnung aller Interessentengruppen unter die Zentralgewalt der zionistischen Organisation und des Waad Leumi, kurzum die Errichtung eines zionistischen Regimes, eines Mischtar Zioni, das der politischen und wirtschaftlichen Anarchie im Jischuw ein Ende bereitet und die Anerkennung der zionistischen Grundsätze im sozialen und wirtschaftlichen Aufbau des Landes, sowie ein geschlossenes politisches Auftreten nach außen sichert. Diese Ueberordnung des zionistischen Gesamtinteresses über alle Sonderinteressen von Klassen, Gruppen oder Einzelnen ist aber ohne Macht nicht zu erreichen. Gewiß ist sie im tiefsten Sinne eine Frage der nationalen Erziehung, besonders der im Lande aufwachsenden Generation. Aber auch diese einheitliche nationale Erziehung kann nur im politischen Machtkampf gesichert werden. Das gegenwärtige Schulsystem garantiert sie nicht, und in eine Aenderung dieses Systems werden die Anhänger der Sonderschulorganisationen auf bloßes gütliches Zureden hin nicht einwilligen. — Das Gleiche gilt von allen anderen Lebensfragen des Jischuw, insbesondere von der Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Die in anderen Ländern in dieser Beziehung eingreifende regelnde Staatsgewalt ist in Palästina nicht vorhanden. Die Mandatsregierung hält sich, aus welchen Gründen immer, in dieser Hinsicht sehr zurück. Der Mangel einer gesetzlichen Regelung führt dazu, daß die Interessentengruppen geradezu darauf angewiesen sind, auf dem Arbeitsmarkt eine Art Faustrecht auszuüben. Nur eine Arbeitsverfassung des Jischuw mit verbindlicher Schiedsgerichtsbarkeit, in der der entscheidende Einfluß der Zionistischen Zentralinstanzen garantiert ist, könnte Abhilfe schaffen. Die Durchsetzung des Prinzips von Tozereth Haarez ist ebenfalls durch bloße Aufklärungsvorträge nicht zu erreichen, da mit dem Zunehmen der Masseneinwanderung naturgemäß die Menschen sich vermehren, die in ihrem Egoismus einem bloßen Appell an ihr zionistisches Gewissen sich unzugänglich zeigen, eben weil es ihnen fehlt. Das gleiche gilt von dem Prinzip der jüdischen Arbeit und anderen Lebensfragen des Jischuw. Ohne eine Macht, die sich der zionistischen Exekutive und dem Waad Leumi zur Seite stellt, sind diese Lebensfragen nicht zu lösen. Diese Macht gilt es in einer neuen Massenpartei zu schaffen. Diese Partei kann sich ihren Charakter als Massenpartei und auch ihren Zielen nach nicht auf bürgerliche Kreise beschränken, Sie muß vielmehr alle Schichten des Jischuw und^ der zionistischen Bewegung überhaupt umfassen, und somit durch ihre Existenz selbst, die Ueberordnung des Gesamtinteresses in sich verkörpern. Wie jede Massenbewegung muß sie insbesondere die Arbeiter und Angestellten und die Jugend erfassen. Als zionistische Bewegung muß sie ihre Chaluzim zum Aufbau des Nationalheims stellen und muß ihre Ansiedlung sichern. Während sie im Galuth diese Jugend durch eine besondere Erziehung in den Anschauungen des neuen Allgemeinen Zionismus festigt, muß sie diese so erzogene Jugend in Palästina selbst in die Allgemeine Arbeiterorganisation einsetzen, um dort die Anschauungen des Allgemeinen Zionismus zu verbreiten und dafür zu kämpfen, daß diese für den Aufbau so außerordentlich bedeutsame Arbeiter-Organisation zu einem der Grundpfeiler des Mischtar Zioni wird, statt sich mehr und mehr in ein bloßes Instrument des Klassenkampfes zu verwandeln. Auch dieser Kampf in der Histadruth und um ihren zionistischen Charakter ist ohne reale Machtmittel nicht zu gewinnen. Nirgends auf der Welt geben herrschende Gruppen ihr Machtmonopol gern und freiwillig aus den Händen. Bevor die Allgemein Zionistischen Arbeiter nicht ein unabhängiges Siedlungswerk auf dem Lande und der Stadt besitzen werden, werden sie weder zahlenmäßig noch durch die Qualität ihrer Vertreter Einfluß auf die 243