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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 28

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Lieber dulden sie stillschweigend, daß andere sie untergraben. In Wahrheit leisten sie den zionistischen Organisationen und den nationalen Fonds einen schlechten Dienst. Denn indem sie ihren eignen Anhängern jede Möglichkeit nehmen, innerhalb der Organisation des Allgemeinen Zionismus sich in Palästina einzuordnen, treiben sie sie in andere Lager, wo sie wirkliche Hilfe und praktische Solidarität vorfinden. So zerstören jene Allgemeinen Zionisten mit ihrer vermeintlichen zionistischen Legalität selbst den Allgemeinen Zionismus. So berauben sie sich selbst jedes Nachwuchses, so verzichten sie selbst auf den Einfluß auf das Leben des palästinensischen Jischuw. Glauben denn jene Allgemeinen Zionisten, daß mit dem Tode des Allgemeinen Zionismus der zionistischen Weltorganisation und den zionistischen Fonds gedient ist? Gewiß doch nicht, sofern sie überhaupt Allgemeine Zionisten sind. Als Allgemeiner Zionist, der sich lange Zeit in Deutschland und seit mehreren Jahren auch in Palästina an der Arbeit des Allgemeinen Zionismus aktiv beteiligt hat, schreibe ich für dieses Blatt die vorstehenden Zeilen, weil mir gerade die Mentalität der deutschen Allgemeinen Zionisten zur genüge bekannt ist. Die übertriebene Furcht vor dem Bruch der zionistischen Disziplin — der Verfasser gehört gewiß zu ihren eifrigsten Verfechtern — und vor „Sonderaktionen" und „Absonderung", eine Furcht, die unter den deutschen Allgemeinen Zionisten stets vorhanden war, ist hier unter dem Einfluß der palästinensischen Wirklichkeit in ihr Gegenteil umgeschlagen. Selbst die besten dieser deutschen Zionisten treten heute für landsmannschaftliche und andere Sonderaktionen ein, und die wenigsten von ihnen beteiligen sich noch am politischen Leben des Jischuw. Die deutschen Allgemeinen Zionisten haben zum Kongreß den größten der Wähler des Allgemeinen Zionismus in Palästina gestellt, ihre praktische Teilnahme an dem Aufbau der palästinensischen Landesorganisation des Allgemeinen Zionismus ist indes gleich Null, Ihre besten Kräfte sind durch die Arbeit der HOG absorbiert, eine Arbeit, die vom zionistischen Standpunkt aus außerordentlich wichtig ist, aber doch die Teilnahme an dem politischen Leben des Jischuw Und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten aus anderen Landsmannschaften nicht praktisch in dem Maße ausschließen dürfte, wie es heute tatsächlich der Fall ist. — Aus Romantikern der zionistischen Zusammenarbeit und Solidarität sind Skeptiker geworden, wie es oft mit Romantikern zu gehen pflegt. Die Antwort, das die gegenwärtige Lage des palästinensischen Allgemeinen Zionismus keinen genügenden „Reiz" zur Teilnahme biete, können wir nicht gelten lassen. Eine derartige Ausrede mit dem Mangel an „Lustquote" sollte von dem erzogenen und verantwortlichen Zionisten überhaupt nicht gegeben werden. Sie stimmt aber auch in der Sache nicht. Denn hier hätten jene deutschen Zionisten, die sich so stolz immer auf ihre gute zionistische Erziehung zum „verantwortlichen Staatsbürger" berufen, das erste Mal Gelegenheit, diese Erziehung im Leben und durch die Tat zu bewähren. Denn gerade hier liegt die Aufgabe des Allgemeinen Zionismus neuen Stils: Die zionistische und staatsbürgerliche Erziehung der jüdischen Massen in Palästina; Die Umwandlung der zionistischen Organisation von einem bloßen Verein zu einem staatlichen Gebilde mit Zwangsgewalt; Die Schaffung und praktische Durchsetzung allgemein gültiger zionistischer Gesetze im alltäglichen Leben des Jischuw und insbesondere die Schaffung einer Arbeitsverfassung des Jischuw; Die Errichtung einer zionistischen Schiedsgerichtsbarkeit; Die Gründung und die Einflußnahme zionistischer „Staatsbanken"; 242

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