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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Wir wiesen auf H e r z 1 und Montefiore hin als die Lichtengel, die in jüngerer Vergangenheit die Nachtgespenster zu verscheuchen suchten. Ihre Kraft war ihre einfache Konzeption vom Judentum, und diese Schlichtheit ist dem orthodoxen Montefiore und dem dem alten Stil ganz entfremdeten Herzl gemeinsam. Bestimmt hätte keiner von ihnen jüdischen „Geschichtserlebnissen" und anderem literarisch-propagandistischen Hokuspokus den geringsten Beifall gespendet, Sie wußten, daß wir nicht zu deuten haben, sondern bedeutet werden, nicht Geschichte erleben, sondern — wenn dies Wort gestattet ist — verlebt werden. Aber gerade die Welt der jüdischen Akademiker, voran das KJV, sind voll von solchen Spukgestalten moderner Wahrsagekunst. Hier ein einziges, aber recht hübsches Beispiel für die betäubende Wirkung: ein alter tätiger Zionist mit begnadeter Zungenbereitschaft vertraute mir unter dem Siegel des Geheimnisses, daß die schreckliche Judennot gar nicht vorhanden wäre, wenn nicht weiland — Esra die Assimilation verhindert hätte. Das ist das sichtbare Ergebnis einer weit um sich greifenden Vernebelung, einer ganz dummen Halbbildung, deren einzige Wirkung die ist, daß sie die jedem gesunden Menschen eingeborene Herzenssicherheit verwirrt. Im übrigen bin ich überzeugt, daß im stillen mancher dieser Verwirrung verfallen ist, und wenn jene literarischen Auguren diese Sinnesverwirrung auch nicht gerade hervorgerufen haben, so verleihen sie ihr doch Nahrung und Stoff. Es ist doch nichts anderes als die Sibyllen des Altertums und die Kometen des Mittelalters, die uns hier entgegentreten, aber ich muß für meine Person sagen, daß ich Kometen für eindrucksvoller, — jedenfalls für minder verantwortlich halte. Die Herkunft solcher durchaus antinationaler Gedanken bei höchst betriebsamen Zionisten, findet sich allerdings schon im Basler Programm angedeutet, das Palästina als Heimstätte für die empfiehlt, die sich nicht assimilieren können oder wollen. Aber sicherlich ist nicht an diejenigen gedacht, die gerne wollten, aber doch nicht können, und die aus der Selbstverständlichkeit der jüdischen Nationalität eine jüdische Stabstrompete hämmern. Man kann in der zionistischen Literatur neuerdings eine ganze Fülle solcher verwirrenden Künstlichkeiten finden, die aus den wirren Fäden der jüdischen Lebenssituation einen ganzen Hexenzopf flechten. Ein kleines Beispiel, das deshalb gewählt wird, weil es abseits aller philosophischen Vieldeutigkeit liegt. Man kann lesen, daß Bismarcks Politik ohne — Bleichröder nicht denkbar gewesen wäre. In demselben Büchlein steht zu lesen, daß die Juden in Deutschland vor 1000 Jahren eine blühende Landwirtschaft betrieben hätten und viel Gleichwertiges, an das zweifellos der Verfasser selbst nicht glaubt. Welch bodenlose jüdische Hilflosigkeit und zionistische Gewaltsgläubigkeit muß hinter solchem Gestammel stehen! Vielleicht können Völker mit sicheren Lebensgrundlagen solche Opiate vertragen, für die Juden mit ihrer ohnedies geschwächten nationalen Konstitution sind sie lebensgefährlich. Eine Mystifikation des Judentums im judenfeindlichen Sinne schädigt unser Inneres nicht. Mit der jüdischen Selbstmystifikation ist es anders: sie betäubt uns und macht zugleich Judenfeindschaft munter. Man hat auf andere Verdienste der Juden hingewiesen, die alle auf wirtschaftlichem Gebiete liegen. In summa sind sie nach meiner Meinung nicht so beträchtlich, daß man sagen könnte, die Juden hätten die Wirtschaft ihrer Wirtsländer beherrscht. Aber auch die einseitig lobende jüdisch-chauvinistische Version ist unberechtigt. Wenn man die eine anerkennt, wird man die andere gelten lassen müssen. Wie wir glauben, sind beide unrichtig. Wenn 238

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