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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 19

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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zu veranlassen, ist vielmehr Pflicht desjenigen, der für die hebräische Arbeit der ZVfD maßgeblich wirkt. Sie kann auch nicht durch — formal wohl richtige — Hinweise auf Zuständigkeiten und Unzuständigkeiten beiseite geschoben werden. Kommt man ihr nicht genügend nach, so beschwört man selbst, zumal bei eigener Herausgabe von Lehrmitteln, Vergleiche herauf, die dann vielleicht zum Schaden gereichen, und Polemiken, die dann, über das Ziel hinausschießend, hart und sogar ungerecht ausfallen können.) Damit soll noch angedeutet sein, daß außer den bisher diskutierten vielleicht auch noch andere, vorhandene wie neu hinzukommende Lehrbücher in Betracht kommen. Selbst der einstmals einzige R a Mi hat ja durchaus heute noch seinen Wert nicht verloren und könnte ihn noch beträchtlich erhöhen, wenn in seinen Texten nicht immer wieder nur die bekannten jugendlichen Hirten auf ihren lieblichen Flöten muntere Weisen bliesen. („Waren Sie schon in dem Garten meiner Tante? Nein, aber ich habe das Federmesser des guten Kapitäns gesehen" hieß es ja wohl in den französischen Lehrbüchern unserer Großeltern.) — Uebrigens, hebräische Lehrer, Lehrschriftsteller und Organisatoren hätten noch unendlich viel dankbare Aufgaben. Was uns z. B. noch völlig fehlt —■ ein erster Ansatz waren die dünnen Hefte von Weinryb-Teitelbaum —, sind billige Lektürebücher, die nach der Methode der Scherischen Sprachpflege auf der einen Seite den hebräischen Text, auf der anderen die wörtliche und sinngemäße deutsche Uebersetzung, womöglich noch — vgl. Methode Mertner — außerdem Vokabeln und Erklärungen enthalten und so dem Leser ermöglichen, sich ohne besondere Anstrengungen nach und nach, unmerklich aber systematisch geführt, einen größeren Vokabelschatz und den richtigen Stil anzueignen. — Schon jetzt aber sollte man auf allen Seiten einen Strich unter Vergangenes setzen, wertvolle Kräfte und Möglichkeiten, die sich bieten, unparteiisch verwenden und sich das Hebräisch-Lehren und Lernen nicht mehr unnötig gegenseitig sauer machen. Was nutzt das dauernde Zitieren schönster haggadischer und chassidischer Aussprüche über Gerechtigkeit* Demut und Liebe, wenn man nicht im leisesten gewillt ist, sie auch nur im Kreise Gleichstrebender hin und wieder anzuwenden. Ein. Wort des Gedenkens für den „poschutten Juden" Von Bbr. Raphael Strauß- Jerusalem. Wir bringen nachstehenden Aufsatz von Bbr. Straus zum Abdruck, wiewohl die in ihm enthaltenen Ansichten vermutlich nur von einer geringen Anzahl Bundesbrüder geteilt werden. Wir vermissen in ihm vor allem eine Erklärung, worin denn eigentlich positiv das Judentum dieses poschutten Idealjuden noch besteht, der sich von jüdischen Parteien und jüdischer Politik fernhalten soll, wesentliche Geschichtserlebnisse nicht haben darf, offenbar aber auch von jüdischer Religion nicht mehr entscheidend beeinflußt ist. Das erinnert doch ein wenig an das abstrakte Lichtenbergsche Messer ohne Klinge, an dem der Griff fehlt. Soll die bloße Tatsache, daß er noch da ist, atmet, ein Herz hat, der Sohn seines Vaters ist, bereits ausreichend sein? So etwas genügt vielleicht zur Beantwortung der klassischen liberalen Frage: „Warum sind 233

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