Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrer nur noch ein ganz minimales Honorar verbleibt, so muß man sagen, Gesamtwertungen wie die geschehene sind eine etwas bittere Quittung für solche Mühen und Leistungen, V. Kleine Abschweifung. Man soll die Bedeutung solchen Sprachlehrstreits nicht überschätzen, aber auch nicht unterschätzen. Wir alle wissen noch von der Universität her, wie sich zuweilen Gelehrte, sogar Ordinarien der gleichen Fakultät, gegenseitig einschätzen und bekämpfen. Und das gleiche gilt beim Hebräischen nicht einmal nur, wie Bbr. Locker meint, für Lehrer. Wer etwa Zwangwills „Kinder des Ghetto" gelesen hat, entsinnt sich noch jenes Mannes, der zu jedem einzelnen sagt: „Sie und ich, wir beide sind die einzigen in diesem Lande, die die heilige Sprache grammatikalisch richtig schreiben und sprechen können". Und wenn er weggeht, murmelt er schon auf der Schwelle: „Der elende Amhoorez". Und es ist leider ebenso komisch wie unerquicklich, in Palästina immer wieder mitanhören zu müssen, wie gerade aus Deutschland stammende Juden, die geläufig hebräisch sprechen, einem unermüdlich versichern, das Hebräische des Anderen, (der ebenfalls geläufig spricht,) sei „zum davonlaufen". Es gibt andere, von Natur liebenswürdigere und wohl auch klügere Völker. Bei denen erkennt man es sogar freundlich an, wenn ein Lernender sich stammelnd bemüht, freut sich darüber, spricht seinetwegen langsam, korrigiert ihn ein wenig, versichert ihm fortgesetzt, auch in den Mühen des täglichen Lebens, mit südlich-liebenswürdiger Falschheit und Geduld, er spreche ganz ausgezeichnet, und ermuntert ihn so. Bei uns müssen selbst wirkliche Könner immer wieder versichern, der andere spreche „zum davonlaufen" . . . Doch das ist ein weites Feld, besonderer Behandlung wert. Zurück zum engeren. VI. Zur Verständigung. Mir scheint, trotz der scharfen Hiebe, die von beiden Seiten fielen, eine Versöhnung und Verständigung auch jetzt noch — und gerade jetzt — durchaus nötig und möglich. Denn wiewohl manche äußeren Erscheinungen dagegen sprechen, ist der ganze Streit letzten Endes sachlicher Natur. (Vergl. hierzu die Aufsätze der Bundesbrüder Hans J. Salomon, Haifa, und Marcel Lew, Jerusalem, im JW 1936, Seite 104—112, die auf die sachlichen Ausführungen in Goldmanns erstem Aufsatze mit für und wider eingehen.) Es stehen sich zwei Anschauungen und Methoden gegenüber, die beide ihre Berechtigung haben und sich in der Praxis ausgleichen müssen. Neben wissenschaftlich fundierten Sprachlehrbüchern wie dem von Goldmann, die immer unentbehrlich bleiben werden, besteht durchaus ein Tagesbedarf für leichter basierte Bücher, meintwegen Selbst nach Art' der ,,1000 Worte". Wiewohl allen Gelehrten solche Bücher (und ihre Verfasser) ein Greuel sind, werden sie immer wieder benötigt und verlangt werden von allen denen, die gezwungen sind, sich in kurzer Zeit möglichst viel Sprechstoff anzueignen. Und wenn in den ersten Auflagen eines derartigen Buches mancherlei Fehler unterlaufen (— bei dieser Gelegenheit: die Andeutung, als stamme die auf Seite 167 erwähnte Kritik des Kalekoschen Buches im H a o 1 a m von Goldmann selbst, wird von Goldmann zurückgewiesen. Er hat sie laut seiner ausdrücklichen Erklärung weder verfaßt noch veranlagt noch das Material zu ihr geliefert), so soll man doch auch das nicht zu tragisch nehmen. Vor mir liegt die 22. Auflage eines beliebten Lehrbuchs der englischen Sprache, und gerade hat mir ein Engländer gezeigt, daß es — obwohl doch auch von Engländern mit durchgesehen! — noch immer ein paar sonderbar unengliseb klingende Wendungen und sogar wirkliche Fehler enthält. Trotzdem können 231