Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 8-9 (Oktober 1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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5, Es erschiene mir geradezu lächerlich, mich gegen die Beschimpfung „Nichtskönner" zu verteidigen. Auch auf die von Herrn G. zitierte Kritik im Haolam wäre allerlei zu sagen. (Uebrigens hat es der gleiche Haolam nicht für unter seiner Würde gehalten, meine hebräischen Aufsätze, sogar als Leitartikel, zu veröffentlichen.) — Ich habe es abgelehnt, als mir ein immerhin recht anerkannter Hebraist, den die „Kritik" des Herrn G. an meinem Lehrbuche empört hatte, eine ganze Liste von Fehlern aus dem Goldmannschen Buche zur Veröffentlichung anbot, davon Gebrauch zu machen. Ich befasse mich nicht mit dieser Art Fehlerschnüffelei, mir scheint, es gibt gerade jetzt Wichtigeres zu tun." Ich muß, ebenfalls aus Loyalität gegen den Einsender, noch folgendes bemerken. Als Goldmanns erster und zweiter Aufsatz angenommen und gedruckt wurde, war ich leider nicht zugegen*). (Die Aufnahme des zwischen beiden liegenden Gegenartikels von Bbr. Locker hat man mir unter Hinweis auf die persönliche Schärfe des ersten Goldmannschen Aufsatzes abgerungen.) Aus der Erwiderung des Herrn Dr. Kaleko habe ich dagegen all das ausgelassen, was, vielleicht begreiflicher persönlicher Erbitterung entsprungen, lediglich geeignet erschien, eine künftige Verständigung endgültig zu verhindern. Und ich erwähne das hier nur deshalb, damit nicht nach so viel grobem Geschütz von beiden Seiten nun etwa Herr Dr. Kaleko in hebräischen Kreisen in den Verdacht gerate, seine Sanftmut sei ein Zeichen der Schwäche« Hebraisten sind ja vielfach Leute eigener Prägung, und einer ihrer Glaubensartikel lautet einstweilen immer noch: wer nicht sehr schimpft, hat sicher unrecht. IV. Hebräisch lehren, ein Vergnügen. Aber man braucht sich garnicht an Einzelheiten zu halten. Wer Goldmanns beide Aufsätze liest, muß als Gesamtergebnis den Eindruck mit sich nehmen, daß so ziemlich alles, was die ZVfD auf dem Gebiete des hebräischen Unterrichts seit 1933 geleistet habe, grober Unfug sei, oder doch, gelinde gesagt, wenig tauge. Dieser Eindruck wäre aber — darin hat Bbr. Locker recht — durchaus ungerechtfertigt. Er würde weder den Bemühungen noch den tatsächlichen Leistungen der ZVfD-Lehrerschaft gerecht. Wer etwa die Berliner Kurse kennt — es besteht bisher kein Anhalt dafür, daß es in der Provinz anders ist —, der weiß, daß hier eine Reihe ausgezeichneter Lehrer unterrichten und so gute Erfolge haben, wie es unter den gegebenen Verhältnissen (Stundenzahl, Abendzeit, Alter und berufliche Inanspruchnahme der Schüler) überhaupt möglich ist. Darüber hinaus gibt man an den Sichothabenden den Schülern Gelegenheit, wechselseitig Lehrer anderer Kurse zu hören, und ich denke z. B. an einen derartigen, von den Lehrern Borcdianski, Jakobsohn und Kaleko kürzlich veranstalteten Abend, dessen mit liebevollem Interesse für die Schülerschaft zusammengestelltes Programm und dessen geschickte Durchführung nicht anzuerkennen wirklich grober Undank wäre. Und wenn man dazu noch sieht, wie so manche Fortgeschrittenen-Kurse, auch wenn sie noch so klein geworden sind, nicht aufgelöst werden, so daß dem *) Im Hinblick auf den Autor, Bbr. Goldmann, der in Dingen des Hebraismus als ein erster Sachkenner zu gelten hat und mit Rücksicht auf das ernste und zionistisch wichtige Problem, das Bbr. Goldmann angeschnitten hat, hat die Redaktion des J. W., der als eine freie Tribüne zionistischer Meinungsäußerung immer gegolten hat, den Artikel abdrucken zu sollen gemeint. Daß sie zu den Fragen, die eine besondere Sachkunde voraussetzen, nicht Stellung zu nehmen wünscht, hat sie in Vorbemerkungen zu den verschiedenen Beiträgen klar zum Ausdruck gebracht. D. Red. 230