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Der jüdische Wille · 1936-10-01 · Heft 8-9 (Oktober 1936) · page 7

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 8-9 (Oktober 1936)
Date
1936-10-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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hin die eigentliche Mission, also die theologisch geführte Bekejhrungsarbeit der christlichen Bekenntnisse, heute nur ein Teil einer umfassend und zielbewußt geführten Palästinapolitik zu sein pflegt. Man sieht es bei dem italienischen Komplex, in dem es Krankenhaus, Kirche und. Schule gibt, am unteren Ende der Prophetenstraße „Die italienischen Franziskaner"; „die deutschen Diakonissen", so sagt man. Und alle Länder bemühen sich, mit Anstalten der Humanität, der Bildung, der Wissenschaft so gut und so stattlich als möglich in Jerusalem vertreten zu sein. Das Auguste-Viktoria-Hospitz der Deutschen, zwischen Oelberg und Skopus, das archäologische Museum der Rockefeller-Stiftung, das französische Krankenhaus, das Jesuiten-Kolleg Terra Santa in Rechaviah, die neue italienische Mädchenschule in Kirjath Schmuel, nicht zuletzt die Young Men Christian Association mit ihrem Riesenbau, in dem es u. a. ein Hallenschwimmbad (das einzige in Jerusalem) und einen großen Konzertsaal (auch ungefähr den einzigen; die jüdischen Konzerte haben nur diesen zur Verfügung) gibt — sie alle zeigen, welch hohe Bedeutung die christlichen Staaten einer würdigen und für alle praktisch hilfreichen Vertretung in Jerusalem beimessen. Die Mandatarmacht, England, hat bei aller Zurückhaltung, die sie sonst im Lande beobachtet, wenn es gilt, Neues zu bauen, in Jerusalem selber ihre sonstige Sparsamkeit zurücktreten lassen; der „Armon" des High Commissioners, auf dem „Berg des bösen Rates" zwischen Talpioth und dem Oelberg zeigt deutlich den Wunsch, in der äußeren Repräsentation der Macht nicht zurückzustehen; auch die Anlage des Kriegerfriedhofes für die Gefallenen der alliierten Armeen, etwas unterhalb des Skopus, muß in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Fragt man, was nun die Juden getan haben, um in diesem Rahmen ihre Bedeutung auch durch repräsentative Bauten erkennen zu lassen, so muß man antworten, daß es schon einige gibt: die Jewish Agency in Rechaviah, das Beth Habriuth Nathan Strauss in Sichron Moscheh, und die Bauten auf dem Skopus, vor allem das David-Wolffsohn-Haus, die Bibliothek, in zweiter Linie die neuen Institutshäuser der Universität. Es ist kein Zweifel, daß diese Bauten würdig, architektonisch befriedigen^, äußerlich eindrucksvoll sind. Das Verhältnis des Judentums zu Christentum und Islam, in dem wir der Grabeskirche und der El Aksa-Moschee nur die Klagemauer entgegenzustellen haben, ist im neuen, weltlichen Jerusalem nicht so erniedrigend. Aber angesichts der Großzügigkeit, mit der die Staaten Europas ihre Vertretungen in Jerusalem auch äußerlich ausstatten, bedeutet es keine hohle Prestigepolitik, wenn man fordert, daß auch das jüdische Volk in diesem Falle darauf achtet, baulich so in Erscheinung zu treten, daß es Anerkennung und Respekt gewinnt. Auf dem Felde des Privatbaues ist dieses durchaus erreicht. Rechaviah und Talpioth sind in dieser Hinsicht geradezu vorbildlich geworden und brauchen den Vergleich mit Talbiye, dem Viertel der vornehmen Araber,, oder der griechischen oder deutschen Kolonie nicht zu scheuen. Gärten müssen wachsen, und wachsen jetzt auch schon in den genannten jüdischen Vierteln; langsam und allmählich wird die öde Helligkeit des Steins durch das Grün der Gärten abgemildert. Wir sehen: das jüdische Element ist in dieser Stadt, die wie keine zweite schon mit ihrem Namen zum stilisierten Symbol des Judentums geworden ist, nicht alleine; es hat einen Wettbewerb mit anderen Völkern zu bestehen, und sollte alle Anstrengungen machen, sich in ihm zu behaupten. Denn dieser Wettbewerb fordert Anspannung der Kräfte; die Einflüsse der nichtjüdischen europäischen Völker sind erheblich. Ihre großen öffentlichen Bauten sind ja nur ein Symptom dafür. Der Einfluß 221

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